Schweizer Feiertage und Feste – Einbürgerungstest Schweiz
Der kulturelle Kalender der Schweiz ist reich an Feiertagen und Festen, die alte Traditionen, das christliche Erbe und regionale Bräuche miteinander verbinden. Im Unterschied zu vielen Staaten mit ein…
Der kulturelle Kalender der Schweiz ist reich an Feiertagen und Festen, die alte Traditionen, das christliche Erbe und regionale Bräuche miteinander verbinden. Im Unterschied zu vielen Staaten mit einheitlichen nationalen Feierlichkeiten werden in der Schweiz aufgrund der föderalen Struktur viele Feiertage von den einzelnen Kantonen bestimmt, was eine reizvolle regionale Vielfalt entstehen lässt. Von besinnlichen religiösen Gedenktagen bis zu ausgelassenen Fasnächten zeigen die Schweizer Feste die vielschichtige kulturelle Identität des Landes und die anhaltende Bedeutung lokaler Traditionen.
Nationale Feiertage
Die Schweiz hat verhältnismässig wenige offizielle landesweite Feiertage — nur der 1. August (Bundesfeier) ist ein bundeseinheitlicher gesetzlicher Feiertag in der ganzen Schweiz. Er erinnert an die Gründung der Schweizerischen Eidgenossenschaft 1291 mit dem Bundesbrief.
Zu den Feierlichkeiten am Nationalfeiertag gehören:
- Berg- und Hangfeuer in der ganzen Schweiz
- Feuerwerke in Städten und Gemeinden
- Offizielle Ansprachen von Politikerinnen und Politikern
- Fahnen an Wohnhäusern und öffentlichen Gebäuden
- Traditionelle Laternenumzüge für Kinder
- Gemeindeanlässe mit Musik, Verpflegung und überall Schweizer Fahnen
Abgesehen vom 1. August werden die meisten Feiertage durch kantonales Recht geregelt, was zu grossen regionalen Unterschieden führt. Neujahr (1. Januar) und Weihnachten (25. Dezember) sind in allen Kantonen gesetzliche Feiertage, viele andere christliche Feiertage (Karfreitag, Ostermontag, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, Fronleichnam, Mariä Himmelfahrt, Allerheiligen) variieren jedoch von Kanton zu Kanton und folgen oft konfessionellen Linien — katholische Kantone begehen andere Feiertage als protestantische Kantone.
Fasnacht - Schweizer Karneval
Fasnacht (oder Fastnacht/Carnaval) ist die vorösterliche Faschingszeit der Schweiz, besonders wichtig in katholischen Regionen. Die drei bekanntesten Feiern sind:
Basler Fasnacht - die grösste und bekannteste Fasnacht der Schweiz, ein immaterielles UNESCO-Kulturerbe:
- Beginnt exakt um 4.00 Uhr am Montag nach dem Aschermittwoch (einzigartig: Basel feiert damit später, also nachdem anderswo die Fastenzeit begonnen hat)
- Morgestraich: Die Stadt ist um 4.00 Uhr komplett dunkel, dann ziehen tausende maskierte Teilnehmende mit Pfeifen und Trommeln durch die Strassen, nur beleuchtet von kunstvoll handbemalten Laternen
- Dauert genau 72 Stunden (drei Tage und drei Nächte)
- Zeigt aufwändige Kostüme, satirische Wagen, die Politiker und aktuelle Ereignisse aufs Korn nehmen, und Schnitzelbank (humorvolle Reimverse)
- Die Teilnehmenden tragen traditionelle Larven, die bestimmte Figuren darstellen
Luzerner Fasnacht - traditioneller und ausgelassener:
- Bekannt für den Fritschi, die legendäre Gestalt, die per Boot ankommt
- Der Urknall eröffnet die Feier am Donnerstag vor der Fastenzeit
- Aufwändige Masken, Kostüme und Konfettikämpfe
- Guggenmusik-Formationen (Blechmusik, die absichtlich etwas verstimmt und laut gespielt wird)
Weitere regionale Fasnachten: Fast jeder katholische Kanton hat eigene Fasnachtstraditionen, jede mit besonderen Bräuchen, Figuren und Feiern.
Die Basler Fasnacht ist für die Stadt so wichtig, dass sie drei volle Tage dauert, obwohl der Rest der Schweiz (und ein Grossteil Europas) bereits in der Fastenzeit ist. Die Basler nehmen ihre Fasnacht äusserst ernst – viele verbringen das ganze Jahr damit, Kostüme vorzubereiten, satirische Verse zu verfassen und Laternen zu bemalen. Sie ist ebenso eine bürgerliche Institution wie ein Fest!
Traditionelle Feste und Bräuche
Die Schweiz hat zahlreiche traditionelle Feste, viele mit altem Ursprung:
Sechseläuten (Zürich) - Frühjahrsfest, das das Ende des Winters feiert:
- Findet am dritten Montag im April statt
- Mit einem Zunftumzug in historischen Kostümen
- Kulminiert im Verbrennen des Böögg, einer riesigen Schneemann‑Puppe, die mit Sprengstoff gefüllt ist
- Der Legende nach gilt: je schneller der Kopf des Böögg explodiert, desto besser wird der Sommer
- Markiert das offizielle Ende des Winters in Zürich
Escalade (Genf) - Dezemberfeier, die an den Sieg Genfs 1602 über die savoyischen Eindringlinge erinnert:
- Historischer Umzug in Kostümen aus der Zeit
- Tradition der «marmite en chocolat»: das älteste und das jüngste Familienmitglied zerschlagen einen mit Marzipangemüse gefüllten Schokoladenkessel und rufen «So sollen die Feinde der Republik zugrunde gehen!»
- Feiert die Unabhängigkeit Genfs und republikanische Werte
Alpabzug/Désalpe - Herbstlicher Viehabtrieb von den Alpen ins Tal:
- Bäuerinnen und Bauern bringen geschmückte Kühe für den Winter von den Alpweiden zurück in die Talhöfe
- Die Kühe tragen aufwändige Blumenschmuckkränze und festliche Glocken
- Feststimmung mit regionalen Speisen, Musik und Märkten
- Findet in den Alpen im September und Oktober statt
Knabenschiessen (Zürich) - Traditioneller Schiesswettbewerb für Jugendliche:
- Trotz des Namens («Knabenschiessen») — ursprünglich nur für Knaben — dürfen heute auch Mädchen teilnehmen
- Zürcher ältestes Volksfest, verbunden mit einer Chilbi/Jahrmarkt
- Jugendliche messen sich in Schiesswettbewerben
- Findet jährlich im September statt
Viele Schweizer Feste haben ihre Wurzeln in heidnischen Traditionen, die vor dem Christentum liegen und später dem christlichen Kalender angepasst wurden. So spiegelt etwa das Verbrennen von Winterfiguren (wie dem Böögg) alte Frühjahrsrituale wider, während viele Fasnachtsbräuche vorchristliche Elemente wie Chaos, Rollenumkehr und jahreszeitliche Übergänge enthalten.
Weinfeste und Erntefeiern
Die Weinbaugebiete der Schweiz feiern die Traubenernte mit grossen Festen:
Fête des Vignerons (Vevey, Waadt) - Eines der aussergewöhnlichsten Feste der Welt:
- Findet nur alle 20–25 Jahre statt (letzte: 2019, nächste: wahrscheinlich in den 2040er-Jahren)
- Immaterielles Kulturerbe der UNESCO
- Grosses Freilufttheater, das die Weinbautraditionen feiert
- Beteiligt Tausende Mitwirkende, aufwändige Kostüme und Originalkompositionen
- Verwandelt die ganze Stadt wochenlang in ein Theater
Neuenburger Weinfest (Fête des Vendanges) - Jährliche Septemberfeier:
- Das grösste Volksfest der Schweiz (zieht mehr als 300'000 Besucher an)
- Umzug mit geschmückten Festwagen
- Weinproben, traditionelle Speisen und Musik
- Feiern die Traubenernte in der Weinregion am Neuenburgersee
Weitere regionale Weinfeste finden im September–Oktober in den Schweizer Weinbauregionen (Wallis, Tessin, Genf) statt und verbinden Erntedank, Weinproben und gemeinschaftliche Feierlichkeiten.
Die Fête des Vignerons in Vevey findet so selten statt, dass die meisten Schweizerinnen und Schweizer sie nur ein- oder zweimal im Leben besuchen werden. Die Ausgabe von 2019 zählte 20'000 Mitwirkende und wurde von über 400'000 Zuschauerinnen und Zuschauern besucht. Das Fest geht mindestens auf das Jahr 1797 zurück und gehört damit zu den ältesten und prächtigsten Traditionen der Schweiz.
Behalten Sie die Vielfalt der Schweizer Feste im Gedächtnis: National (1. August — einziger nationaler Feiertag), Regional (jeder Kanton hat eigene Feiertage), Religiös (katholische und reformierte Kantone haben unterschiedliche Traditionen), Saisonal (Fasnacht im Frühling, Alpabzug im Herbst, Sechseläuten als Ende des Winters). Schweizer Feste spiegeln den Föderalismus (lokale Zuständigkeit), die religiöse Geschichte (getrennte Traditionen) und das landwirtschaftliche Erbe (Erntefeiern) wider.