Was ist der Bundesrat?
Der Bundesrat ist die Regierung der Schweiz – die oberste leitende und vollziehende Behörde des Landes. Anders als in den meisten Ländern hat die Schweiz keinen einzelnen Ministerpräsidenten und keinen Präsidenten mit echter Machtfülle. Stattdessen wird sie von einem Team aus sieben gleichberechtigten Mitgliedern geführt, die das Land gemeinsam leiten.
Dieses Team nennt man den Gesamtbundesrat. Die sieben Mitglieder treffen ihre wichtigsten Entscheidungen gemeinsam als Gremium, nicht im Alleingang. Jedes Mitglied leitet eines der sieben Departemente – vergleichbar mit Ministerien –, aber niemand steht über den anderen.
Die zentrale Idee für den Test: In der Schweiz ist die Exekutivmacht aufgeteilt und nicht in einer Person gebündelt. Genau deshalb bleibt das System auch in hitzigen politischen Zeiten stabil. Die offizielle Struktur kannst du auf den Seiten des Bundesrats unter admin.ch nachschauen.
Die sieben Departemente
Jedes Bundesratsmitglied leitet ein Departement. Es gibt genau sieben, und im Test wird oft gefragt, wofür jedes zuständig ist. Hier sind sie mit ihren offiziellen Abkürzungen:
- EDA – Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten: Diplomatie, Botschaften, die Beziehungen der Schweiz zu anderen Ländern und zur EU.
- EDI – Eidgenössisches Departement des Innern: Sozialversicherungen (AHV/IV), Gesundheit, Kultur, Gleichstellung, Statistik.
- EJPD – Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement: Gesetze, Migration und das SEM, Bürgerrecht, Bundespolizei.
- VBS – Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport: die Armee, der Bevölkerungsschutz und der Sport.
- EFD – Eidgenössisches Finanzdepartement: Bundeshaushalt, Steuern, Zoll und Bundespersonal.
- WBF – Eidgenössisches Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung: Wirtschaft, Arbeit, Berufsbildung, Hochschulen und Forschung.
- UVEK – Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation: Strassen und Bahnen, Energie, Umwelt, Post und Telekommunikation.
Eine einfache Eselsbrücke: Die sieben Departemente decken Aussenpolitik, Inneres, Justiz, Verteidigung, Finanzen, Wirtschaft/Bildung und Umwelt/Verkehr ab. Wenn du jede Abkürzung ihrem Bereich zuordnen kannst, schaffst du die meisten Departements-Fragen im Test.
Kollegialität, Konkordanz und Zauberformel
Drei Prinzipien erklären, wie die sieben tatsächlich zusammenarbeiten. Sie tauchen im Test immer wieder auf.
Das Kollegialitätsprinzip: Entscheidungen trifft der Bundesrat als Gesamtgremium, und alle sieben Mitglieder vertreten sie nach aussen – auch wenn jemand im Sitzungszimmer dagegen gestimmt hat. Es gibt keinen Vorsitzenden, der die anderen überstimmen kann. Jedes Mitglied hat eine Stimme, und die Mehrheit entscheidet.
Die Konkordanz: Die Schweiz bezieht die wichtigsten Parteien bewusst gleichzeitig in die Regierung ein, statt eine Partei regieren und die anderen in der Opposition sitzen zu lassen. Ziel ist ein breiter Konsens und eine stabile Politik. Deshalb teilen sich mehrere Parteien mit unterschiedlichen Ansichten die sieben Sitze.
Die Zauberformel: Seit 1959 werden die sieben Sitze nach einem festen Schlüssel auf die stärksten Parteien verteilt. Das klassische Verhältnis war 2 : 2 : 2 : 1 (historisch zwei FDP, zwei CVP, zwei SP und eine SVP). Wichtig für den Test: Die Idee der Zauberformel ist eine etwa proportionale Verteilung auf die grössten Parteien – aber die genaue parteipolitische Zusammensetzung ändert sich mit der Zeit, wenn sich Wahlergebnisse und Parteien verschieben. Lerne also das Prinzip (proportionale Machtteilung seit 1959) und prüfe die aktuelle Aufteilung auf admin.ch.
Bundespräsident:in und Bundeskanzlei
Eine häufige Falle im Test: Der Schweizer Bundespräsident ist kein mächtiges Staatsoberhaupt. Der offizielle Titel lautet Bundespräsident:in, und das Amt wechselt jedes Jahr unter den sieben Bundesratsmitgliedern.
Die Bundespräsidentin oder der Bundespräsident ist primus inter pares – «Erste oder Erster unter Gleichen». Er oder sie leitet die Sitzungen des Bundesrats und vertritt die Schweiz bei feierlichen Anlässen, hat aber keine zusätzliche Macht und kann die anderen sechs nicht überstimmen. Gleichzeitig führt er oder sie weiterhin das eigene Departement. Das Präsidium ist im Grunde ein einjähriger Ehrenvorsitz, der nach Anciennität rotiert. Die Antwort auf «Wer hat mehr Macht, die Präsidentin oder die anderen Mitglieder?» lautet also: niemand – alle sieben sind gleichgestellt.
An der Seite des Bundesrats arbeitet die Bundeskanzlei, geleitet von der Bundeskanzlerin oder dem Bundeskanzler. Die Bundeskanzlei ist die Stabsstelle der Regierung – oft «das achte Bundesratsmitglied» genannt, aber ohne Stimmrecht und ohne Departement. Sie bereitet die Sitzungen vor, unterstützt die Arbeit des Bundesrats und kümmert sich um die Kommunikation. Die Namen und das aktuelle Präsidialjahr findest du offiziell auf admin.ch.
Wie der Bundesrat gewählt wird
Der Bundesrat wird nicht direkt vom Volk gewählt. Die sieben Mitglieder werden von der Vereinigten Bundesversammlung bestimmt – also von beiden Parlamentskammern gemeinsam: dem Nationalrat und dem Ständerat.
Jedes Mitglied wird einzeln für eine Amtsdauer von vier Jahren gewählt. Die Wahlen finden nach jeder Parlamentswahl statt, und in der Praxis werden amtierende Mitglieder, die wieder antreten, fast immer bestätigt. Tritt ein Mitglied zwischen den Wahlen zurück, wählt das Parlament eine Nachfolge für den Rest der Amtsdauer.
Einige Zusatzfakten, die im Test gern vorkommen:
- Wer zurücktreten will, kündigt das in der Regel an, und eine Ersatzwahl besetzt den Sitz neu.
- Bundesratsmitglieder sind vollamtlich und dürfen nicht gleichzeitig im Parlament sitzen – sie geben ihren Parlamentssitz ab.
- Es besteht die informelle Erwartung, dass die verschiedenen Sprachregionen der Schweiz im Bundesrat angemessen vertreten sind.
Die Kette zum Merken lautet also: Das Volk wählt das Parlament, und das Parlament wählt den Bundesrat für vier Jahre.
Der Bundesrat im Jahr 2026 – und wie du ihn lernst
Stand 2026: Der Bundesrat hat weiterhin seine sieben Mitglieder, verteilt auf die oben beschriebenen sieben Departemente, gewählt von der Vereinigten Bundesversammlung, mit jährlich wechselndem Präsidium. Die Namen der einzelnen Mitglieder und wer das Präsidium gerade innehat, ändern sich mit der Zeit – ein Mitglied kann an jeder Sitzung zurücktreten und ersetzt werden. Überprüfe die aktuelle Zusammensetzung und die Bundespräsidentin oder den Bundespräsidenten des Jahres deshalb immer an der offiziellen Quelle: den Seiten von Bundesrat und Bundeskanzlei auf admin.ch oder der Staatskunde-Übersicht auf ch.ch. Lerne keine veraltete Liste aus einer alten Broschüre auswendig.
Was sich nicht ändert und sich deshalb zu merken lohnt: sieben Mitglieder, eine Kollegialregierung, sieben Departemente (EDA, EDI, EJPD, VBS, EFD, WBF, UVEK), das Prinzip der Zauberformel seit 1959, die Wahl durch das Parlament für vier Jahre und ein jährlich wechselndes Präsidium, dessen Inhaber nur primus inter pares ist.
Für den Einbürgerungstest ist es klug, zuerst die Struktur zu lernen (die bleibt stabil) und kurz vor der Prüfung die aktuellen Namen zu prüfen. Am besten bleiben diese Fakten durch aktives Abrufen hängen, nicht durch blosses Nachlesen. Übe die Departemente und Prinzipien mit Karteikarten und teste dich anschliessend unter Prüfungsbedingungen mit einer Probeprüfung. Den vollständigen Lehrplan zu Politik und Staatskunde kannst du dir ebenfalls ansehen und gratis starten.
