Weg zur Eidgenossenschaft – Freiburg – Einbürgerungstest
Am 22. Juni 1476 belagerte eine burgundische Armee von rund 20'000 Mann Murten — nur 10 Kilometer von Freiburg entfernt. Das eidgenössische Entsatzheer durchbrach ihre Verteidigungslinien in einer kau…
Am 22. Juni 1476 belagerte eine burgundische Armee von rund 20'000 Mann Murten — nur 10 Kilometer von Freiburg entfernt. Das eidgenössische Entsatzheer durchbrach ihre Verteidigungslinien in einer kaum eine Stunde dauernden Schlacht. Rund 12'000 Burgunder kamen ums Leben. Dieser überwältigende Sieg öffnete Freiburg fünf Jahre später die Tür, der Eidgenossenschaft als 9. Kanton beizutreten.
Die Burgunderkriege (1474–1477)
Wer war Karl der Kühne?
- Herzog von Burgund — einer der mächtigsten Herrscher Europas
- Wollte ein Königreich aufbauen, das von den Niederlanden bis nach Italien reichte
- Die Schweizer Gebiete standen ihm im Weg
- Bekannt für Aggression, militärischen Ehrgeiz — und schwere Niederlagen gegen die Eidgenossen
Die drei entscheidenden Schlachten:
- Grandson (März 1476): Eidgenossen zerschlugen die burgundische Armee und erbeuteten riesige Kriegsbeute
- Murten (Juni 1476): Die entscheidendste — ~12'000 Burgunder gefallen in der Nähe von Freiburg
- Die Schlacht dauerte weniger als 1 Stunde
- Burgunder waren zwischen See und Wald eingekesselt
- Freiburger Truppen kämpften direkt in dieser Schlacht
- Nur 10 km von der Stadt Freiburg entfernt
- Nancy (Januar 1477): Karl der Kühne fiel; Burgund brach zusammen
Freiburgs Rolle:
- Verbündete sich mit der Eidgenossenschaft gegen Burgund
- Stellte Truppen und nutzte seine strategische Lage
- Die Schlacht bei Murten fand vor Freiburgs Haustür statt
- Bewies militärischen Wert und Loyalität gegenüber der Eidgenossenschaft
- Der Sieg wird in Freiburg noch heute jährlich gefeiert
Beitritt als 9. Kanton (1481)
Der Stanser Verkommniss (1481):
- Nach den Burgunderkriegen drohten Spannungen innerhalb der Eidgenossenschaft zu eskalieren
- Alte und neue Kantone stritten über Kriegsbeute und politische Macht
- Niklaus von Flüe (Einsiedlermönch, heute Schweizer Schutzpatron) vermittelte aus seiner Klause in der Ranftschlucht
- Er verliess seine Einsiedelei nie — seine Botschaft wurde zur Versammlung gebracht
- Sein Vermittlungsvorschlag löste die Blockade und ermöglichte die Erweiterung
Freiburg tritt bei — Dezember 1481:
- Freiburg offiziell als 9. Kanton aufgenommen
- Solothurn trat zur gleichen Zeit bei (beide gleichzeitig aufgenommen)
- Beide hatten in den Burgunderkriegen ihre Loyalität bewiesen
- Die Eidgenossenschaft dehnte sich erstmals westwärts in französischsprachiges Gebiet aus
- Freiburg brachte die französische Sprache in die Eidgenossenschaft
Was der Beitritt bedeutete:
- Militärischer Schutz durch die Eidgenossenschaft
- Erweiterte Handelsnetzwerke und politische Sicherheit
- Verpflichtungen: Truppen stellen, gemeinsame Loyalität, gemeinsame Aussenpolitik
- Erhielt bedeutende kantonale Autonomie (Schweizer Tradition)
- Freiburg wurde zur Brücke zwischen Deutschschweiz und Romandie
Niklaus von Flüe — der Einsiedler, der die Eidgenossenschaft rettete! Er hatte sich aus der Gesellschaft zurückgezogen, um allein in der Ranftschlucht zu leben, doch 1481 wurde seine Botschaft zur Versammlung in Stans gebracht und brach eine politische Blockade. Er verliess seine Einsiedelei nie, um sie persönlich zu überbringen. Sein Einfluss aus vollständiger Isolation veränderte die Schweizer Geschichte. Heute ist er der Schutzpatron der Schweiz.
Zeitleiste zum Merken: 1474–77 = Burgunderkriege → Juni 1476 = Schlacht bei Murten (10 km von Freiburg, ~12'000 Burgunder gefallen, weniger als 1 Stunde) → Januar 1477 = Karl der Kühne stirbt bei Nancy → Dezember 1481 = Freiburg tritt als 9. Kanton bei (zusammen mit Solothurn, Stanser Verkommniss, Niklaus von Flüe vermittelte). Die Schlacht vor Freiburgs Haustür sicherte ihm den Platz in der Eidgenossenschaft.