Stiftsbibliothek & UNESCO-Welterbe – St. Gallen – Einbürgerungstest
Die Stiftsbibliothek St. Gallen ist nicht nur eine Bibliothek – sie ist ein Tempel des menschlichen Wissens und einer der prächtigsten Bibliotheksräume der Welt. Sie beherbergt über 170'000 Bände, dar…
Die Stiftsbibliothek St. Gallen ist nicht nur eine Bibliothek – sie ist ein Tempel des menschlichen Wissens und einer der prächtigsten Bibliotheksräume der Welt. Sie beherbergt über 170'000 Bände, darunter unbezahlbare mittelalterliche Handschriften, die Kriege, Revolutionen und den Lauf von mehr als tausend Jahren überdauert haben. Dieses Rokoko-Meisterwerk ist seit 1983 UNESCO-Welterbe. Was diese Bibliothek aussergewöhnlich macht, ist nicht nur ihre Sammlung, sondern auch ihr physischer Raum: ein atemberaubender barocker Saal, der zwischen 1758 und 1767 fertiggestellt wurde, mit Deckenfresken, geschnitzten Holzregalen und Fussbodenverzierungen, die so kostbar sind, dass Besucher spezielle Filzpantoffeln tragen müssen, um sie zu schützen. Die Bibliothek bewahrt intellektuelle Schätze, die bis zur Gründung der Abtei zurückreichen, einschliesslich des berühmten St. Galler Klosterplans von ca. 820 n. Chr. – dem einzigen erhaltenen mittelalterlichen architektonischen Zeichnung seiner Art.
Die Bibliothekssammlung
170'000 Bände:
- Eine der ältesten und vollständigen Bibliothekssammlungen der Welt
- Kontinuierliche Geschichte vom 8. Jahrhundert bis heute
Mittelalterliche Handschriften:
- Illuminierte Handschriften aus dem 8.-12. Jahrhundert
- Handgeschriebene Texte in Latein, Griechisch und Frühdeutsch
- Unbezahlbare Kunstschätze: aufwendige Illustrationen und ornamentale Initialen
Bemerkenswerte Schätze:
- Der St. Galler Klosterplan (ca. 820 n. Chr.):
- Einzig erhaltener mittelalterlicher Bauplan
- Pergamentdokument mit idealer Klosteranlage
- 40 Gebäude, Gärten, Werkstätten und Versorgungsanlagen geplant
- Einblick in das mittelalterliche Klosterleben
- Frühdrucke aus dem 15. Jahrhundert (Inkunabeln)
- Seltene Werke zu Theologie, Philosophie, Wissenschaft und Musik
Erhaltung durch die Geschichte:
- Überstand die Reformation (Stadt protestantisch, Abtei katholisch)
- Geschützt während der Säkularisation 1805
- Sorgfältig bewahrt durch Weltkriege
Der barocke Bibliothekssaal (1758-1767)
Rokoko-Architektur:
- Gebaut zwischen 1758 und 1767 während der letzten Blütezeit der Abtei
- Entworfen von Architekt Peter Thumb
- Eines der finesten Rokoko-Interieurs der Schweiz
Designmerkmale:
- Deckenfresken: Stellen die Konzilien der Kirche und die frühchristlichen ökumenischen Konzile dar
- Geschnitzte Holzregale: zwei Eleganten Walnussregale
- Statuen: Darstellung von Kirchenvätern und Heiligen
- Inschriften: Lateinische Erinnerungen an den Wert des Wissens
Die Besucherpantoffeln-Tradition:
- Besucher müssen spezielle Filzpantoffeln tragen
- Schützt den kostbaren Parkettboden vor Beschädigung
- Eine Tradition seit die Bibliothek für Besucher geöffnet wurde
- Tragt zur andächtigen Atmosphäre des Raumes bei
Der Bibliothekssaal wurde sowohl als funktionaler Raum für Bücher als auch als visuelle Aussage über die Bedeutung von Wissen und Glaube, die zusammenwirken, entworfen.
1983 wurde der Stiftsbezirk St. Gallen – einschliesslich der Kathedrale und der Bibliothek – zum UNESCO-Welterbe erklärt. Die Würdigung erkannte ihn als 'ein perfektes Beispiel einer grossen karolingischen Abtei' und 'ein hervorragendes Beispiel eines Klosterkomplexes', der Jahrhunderte der klösterlichen Architektur und kulturellen Entwicklung veranschaulicht. Die Bibliothek wurde speziell für ihr 'aussergewöhnliches Zeugnis der klösterlichen Kultur und der Geschichte des Lernens in Europa' zitiert. Heute bleibt sie eine der meistbesuchten Kulturstätten der Schweiz.
Die Sammlung der Stiftsbibliothek war so wertvoll, dass sie eine der grössten Bedrohungen für das Kulturerbe der Geschichte überstand — die protestantische Reformation — weil die Abtei katholisch blieb, während die Stadt protestantisch wurde. Die Reformatoren der Stadt respektierten die gelehrte Bedeutung der Bibliothek und wählten ihre Erhaltung statt ihre Zerstörung als 'papistische' Wissen. Dieser bemerkenswerte Akt der intellektuellen Toleranz rettete Schätze, die sonst für immer verloren gewesen wären. Die Bibliothek wurde so zur Brücke zwischen katholischer und protestantischer Gelehrsamkeitstradition in der Schweiz.
Die Stiftsbibliothek merken: 170'000 Bände (8.-12. Jahrhundert illuminierte Handschriften), Klosterplan ca. 820 (einziger erhaltener mittelalterlicher Bauplan, Pergament, ideale Klosteranlage), Barocksaal 1758-1767 (Architekt Peter Thumb, Rokoko-Interieur, Deckenfresken der Konzilien, geschnitzte Walnussregale), UNESCO 1983 (perfekte karolingische Abtei, Zeugnis klösterlicher Kultur), Besucherpantoffeln (schützen kostbaren Parkettboden, Filzpantoffeln-Tradition), Überstand Reformation (Abtei katholisch, Stadt protestantisch, intellektuelle Toleranz rettete sie). Stiftsbibliothek St. Gallen: UNESCO-Schatz, Pantoffeln erforderlich!