Wachstum der Eidgenossenschaft (1315–1513) – Einbürgerungstest Schweiz
Nach dem Bundesbrief von 1291 sah sich die Schweizerische Eidgenossenschaft umgehend militärischen Herausforderungen durch die Habsburger gegenüber. Durch eine Reihe bemerkenswerter Siege, obwohl zahl…
Nach dem Bundesbrief von 1291 sah sich die Schweizerische Eidgenossenschaft umgehend militärischen Herausforderungen durch die Habsburger gegenüber. Durch eine Reihe bemerkenswerter Siege, obwohl zahlenmässig unterlegen, verteidigte die Eidgenossenschaft nicht nur ihre Unabhängigkeit, sondern gewann auch neue Kantone für das Bündnis. Bis 1353 bildeten acht Kantone den Kern dessen, was Historiker die «Acht Alten Orte» (Acht Alte Orte) nennen.
Die Schlacht bei Morgarten (1315)
Die Schlacht bei Morgarten war der erste grosse militärische Sieg der Eidgenossenschaft. Am 15. November 1315 zog ein grosses Habsburger Heer unter Herzog Leopold I. gegen die Waldkantone, um sie für ihre Unabhängigkeit zu bestrafen. Die weit unterlegenen eidgenössischen Truppen nutzten ihre Kenntnisse des alpinen Geländes. Als das Habsburger Heer einen schmalen Pfad am Ägerisee passierte, rollten die Schweizer Baumstämme und Steine den Hang hinunter und griffen von oben an. Die Habsburger Ritter, in schwerer Rüstung und im engen Pass eingekesselt, konnten sich nicht wirksam verteidigen. Die Schweizer errangen einen entscheidenden Sieg und töteten oder nahmen Tausende feindlicher Soldaten gefangen.
Der Bundesbrief von Brunnen (1315)
Nur drei Wochen nach Morgarten, am 9. Dezember 1315, erneuerten die drei Urkantone ihren Bund mit dem Bundesbrief von Brunnen. Diese Urkunde bestätigte und stärkte den Bund von 1291 und stellte ausdrücklich fest, dass kein Kanton ohne Zustimmung der anderen einen fremden Richter oder Lehnsherrn aufnehmen dürfe. Sie regelte zudem, dass sich die Kantone im Falle eines Angriffs militärisch beistehen würden. Der Pakt zeigte, dass Morgarten die Kantone noch fester in ihrem Entschluss geeint hatte, unabhängig zu bleiben.
Die acht alten Kantone (1353)
Der militärische Erfolg und die wirtschaftliche Zusammenarbeit der ursprünglichen drei Orte zog benachbarte Regionen an, sich dem Bündnis anzuschliessen. Zwischen 1332 und 1353 traten fünf weitere Orte bei: Luzern (1332), Zürich (1351), Glarus (1352), Zug (1352) und Bern (1353). Diese acht Orte — Uri, Schwyz, Unterwalden (Obwalden und Nidwalden), Luzern, Zürich, Glarus, Zug und Bern — wurden als die «Acht Alten Orte» (Acht Alte Orte) bekannt. Jeder Kanton brachte strategische Vorteile: Luzern kontrollierte wichtige Handelsrouten, Zürich war eine wohlhabende Handelsstadt und Bern ein mächtiger Stadtstaat. Das Bündnis entwickelte sich von einem Verteidigungsbündnis der Bergbauern zu einer bedeutenden regionalen Macht.
Die Schlacht bei Sempach (1386)
Eine weitere schwere Niederlage der Habsburger ereignete sich in der Schlacht bei Sempach am 9. Juli 1386. Herzog Leopold III. von Österreich (Enkel des bei Morgarten besiegten Herzogs) führte ein grosses Heer gegen die Eidgenossenschaft. Die schweizerische Infanterie traf auf habsburgische Ritter in schwerer Rüstung. Der Legende nach opferte sich ein Schweizer namens Arnold von Winkelried, indem er so viele feindliche Lanzen ergriff, wie er konnte, wodurch eine Lücke in der habsburgischen Front entstand, die den Schweizern das Durchbrechen ermöglichte. Die Eidgenossenschaft errang einen entscheidenden Sieg, und Herzog Leopold III. fiel in der Schlacht. Dieser Sieg festigte die Unabhängigkeit der Eidgenossenschaft weiter und zeigte, dass disziplinierte Infanterie gepanzerte Kavallerie besiegen kann.
Die Schlacht von Näfels (1388)
Nur zwei Jahre nach Sempach versuchten die Habsburger am 9. April 1388 ihre Rache in der Schlacht bei Näfels. Ein österreichisches Heer zog in den Kanton Glarus ein. Obwohl sie zahlmässig stark unterlegen waren (etwa 600 Schweizer gegen 6'000 Österreicher), nutzten die Verteidiger von Glarus das gebirgige Gelände zu ihrem Vorteil und überfielen die feindlichen Truppen in engen Alpenpässen. Die Schweizer errangen erneut einen eindrücklichen Sieg. Die Schlacht bei Näfels wird im Kanton Glarus noch heute jährlich mit einem Feiertag, der Näfelser Fahrt, geehrt: Die Bevölkerung geht die historische Route, um sich an den Mut ihrer Vorfahren zu erinnern.
Schweizer Militärtaktiken und Ruf
Die Schweizer Siege bei Morgarten, Sempach und Näfels begründeten Taktiken, die die Schweizer Soldaten in ganz Europa berühmt machten. Die Infanterie kämpfte in dichten Formationen mit langen Piken (Hellebarden) und war für Disziplin und Mut bekannt. Sie zogen es vor, zu Fuss statt beritten zu kämpfen, was für die damalige Zeit ungewöhnlich war. Ihre Bereitschaft, bis zum Tod zu kämpfen, und ihr wirkungsvoller Einsatz des Geländes machten sie zu gefürchteten Gegnern. Bis ins 15. Jahrhundert hinein waren Schweizer Söldner bei Königen und Fürsten in ganz Europa begehrt. Dieser militärische Ruf half der Eidgenossenschaft, ihre Unabhängigkeit zu wahren, und hielt grössere Mächte davon ab, sie anzugreifen.
Expansion zu dreizehn Kantonen (1481-1513)
Die Eidgenossenschaft wuchs im 15. und im frühen 16. Jahrhundert weiter. Freiburg und Solothurn traten 1481 bei, Basel und Schaffhausen 1501, und Appenzell 1513. Bis 1513 bestand die Schweizerische Eidgenossenschaft aus dreizehn Kantonen, bekannt als die «Dreizehn Alten Orte» (Dreizehn Alte Orte). Diese dreizehn Orte umfassten eine vielfältige Mischung: bergbäuerliche Gemeinden (wie Uri und Schwyz), wohlhabende Handelsstädte (wie Zürich und Basel) und mächtige Stadtstaaten (wie Bern). Trotz ihrer Unterschiede waren sie durch ihr Bekenntnis zur Unabhängigkeit und zur gegenseitigen Verteidigung vereint.
Hellebarde, eine Kombination aus Speer und Axt an einem langen Holzschaft, wurde in dieser Epoche zur typischen Schweizer Waffe. Schweizer Hellebardiere in Formation konnten Kavallerieangriffe stoppen und feindliche Linien durchbrechen. Heute trägt die Schweizergarde im Vatikan noch immer zeremonielle Hellebarden und pflegt damit eine 500-jährige Tradition des schweizerischen Militärdienstes. Die bunten Renaissance-Uniformen und Hellebarden der Schweizergarde gehören zu den sichtbarsten Symbolen des historischen militärischen Rufs der Schweiz.
Warum sind andere Kantone beigetreten?
Die Kantone traten der Eidgenossenschaft aus mehreren praktischen Gründen bei. Erstens bot die Mitgliedschaft militärischen Schutz — kleinere Gebiete wussten, dass ein Angriff auf einen Kanton alle Kantone in den Konflikt ziehen würde. Zweitens erleichterte das Bündnis den Handel, indem es Streitigkeiten verringerte und gemeinsame Handelsrouten schuf. Drittens bot der Beitritt eine Möglichkeit, der Vormacht grösserer Mächte wie den Habsburgern, Frankreich oder dem Heiligen Römischen Reich zu widerstehen. Schliesslich ermöglichte die Struktur der Eidgenossenschaft jedem Kanton, seine eigenen Gesetze und Bräuche zu bewahren und gleichzeitig von der kollektiven Stärke zu profitieren. Dieses Gleichgewicht zwischen lokaler Autonomie und gegenseitiger Zusammenarbeit wurde zu einem prägenden Merkmal des Schweizer Föderalismus.
Man merkt sich die drei wichtigsten Schlachten: Morgarten (1315) — erster grosser Sieg durch Ausnützung des Geländes; Sempach (1386) — Arnold von Winkelrieds Opfer; Näfels (1388) — 600 gegen 6'000. Acht Alte Orte bis 1353: die ursprünglichen drei (Uri, Schwyz, Unterwalden) plus Luzern, Zürich, Glarus, Zug, Bern. Dreizehn Alte Orte bis 1513: hinzu kamen Freiburg, Solothurn, Basel, Schaffhausen, Appenzell. Schweizer Waffe: Hellebarde. Wichtige Daten: 1315, 1353, 1513.