Zwei Hürden: die KBS-Prüfung, dann das Gespräch der Gemeinde
Glarus gehört zu den Kantonen, in denen die Prüfung vor dem Gesuch kommt. Das kantonale Bürgerrechtsgesetz von 2016 erlaubt den Behörden, den Ausweis über die bestandene Prüfung eines Integrations- oder Einbürgerungskurses zu verlangen, und die Verordnung macht diesen Ausweis zur Pflichtbeilage: eine höchstens vier Jahre alte Bescheinigung über das erfolgreiche Bestehen des Tests des kantonalen Vorbereitungskurses. Glarus Nord sagt es auf seiner Seite unmissverständlich: Die Prüfung ist vor der Einreichung obligatorisch, ebenso der Informationsabend davor. Beides führt die Kaufmännische Berufsfachschule Glarus (KBS) im Auftrag des Kantons durch, und die Prüfung ist mündlich.
Die zweite Hürde kommt nach der kantonalen Vorprüfung. Die Einbürgerungsbehörde deiner Gemeinde kann vor dem Entscheid ein Einbürgerungsgespräch führen, und in der Praxis tun das alle drei Gemeinden. Die Verordnung bindet das Gespräch an den Kurs: Die Behörde muss dir vorher sagen, wie es abläuft und worum es geht, und sich entweder am Inhalt des Vorbereitungskurses oder an einem standardisierten Fragekatalog orientieren.
Den kantonalen Teil beider Hürden üben unsere Fragen zu Glarus; den kommunalen Teil baust du dir selbst aus der Website deiner Gemeinde.
Zehn, fünf und drei Jahre und die Regeln des Gesetzes von 2016
Die Wohnsitzregeln sind die zehn Jahre des Bundes in der Schweiz, davon drei in den letzten fünf, wobei die Jahre zwischen 8 und 18 doppelt zählen und sechs Jahre tatsächlicher Anwesenheit nötig sind, plus die kantonalen fünf Jahre in Glarus, von denen die letzten drei ohne Unterbruch in der Gemeinde verbracht sein müssen, in der du das Gesuch stellst. Bei der Einreichung brauchst du die C-Bewilligung. Eine Glarner Besonderheit betrifft den Umzug: Innerhalb der Schweiz darfst du erst umziehen, wenn dir das Gemeindebürgerrecht zugesichert ist, und ein Wegzug ins Ausland beendet das Verfahren in jedem Fall.
Die Sprache ist Deutsch auf B1 in Lesen, Sprechen und Hören und A2 im Schreiben, in Standardsprache. Muttersprachige, wer fünf Jahre obligatorische Schule auf Deutsch besucht hat und wer eine Ausbildung der Sekundarstufe II oder Tertiärstufe auf Deutsch abgeschlossen hat, brauchen kein Zertifikat; alle anderen schon, und bei berechtigten Zweifeln darf die Behörde einen anerkannten Sprachtest anordnen. Glarus Nord nennt den Sprachnachweis aus einem praktischen Grund den ersten Schritt: Du musst Kurs und Prüfung folgen können.
Bei Geld und Verhalten ist die Verordnung konkret. Für die fünf Jahre vor dem Gesuch bis zum Abschluss des Verfahrens darf das Betreibungsregister keine Verlustscheine und keine Betreibungen öffentlich-rechtlicher Körperschaften oder wegen ausstehender Krankenkassenprämien zeigen; Steuern müssen bezahlt, Urteile befolgt sein. Keine Sozialhilfe und keine Arbeitslosengelder wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit in den drei Jahren vor der Einreichung und während des Verfahrens, ausser vollständig zurückbezahlt. Und kein Strafregistereintrag oder laufendes Verfahren, was der Kanton kurz vor dem Antrag an den Bund nochmals prüft.
Die KBS-Prüfung: Termine, Gebühren und Inhalt
Alles läuft über die Kaufmännische Berufsfachschule am Zaunplatz 36 in Glarus. Schritt eins ist der obligatorische Informationsabend, CHF 30, im Januar, März oder September; der nächste ausgeschriebene ist Dienstag, 23. März 2027, 18.30 bis 20.00 Uhr. Ohne ihn kannst du weder Kurs noch Prüfung buchen. Schritt zwei ist deine Wahl. Der Vorbereitungskurs kostet CHF 250 plus CHF 25 Lehrmittel, läuft an sechs Dienstagabenden vom 20. April bis 25. Mai 2027, behandelt Schule, Arbeit und Versicherungen, Gesundheit, Rechte und Pflichten, das politische System und den Kanton und endet mit der mündlichen Prüfung am 1. oder 2. Juni 2027. Wer lieber allein lernt, meldet sich nur zur Prüfung an: CHF 100, zweimal jährlich im März und Oktober, das nächste Mal am Donnerstag, 21. Oktober 2027, mit beschränkten Plätzen nach Zahlungseingang.
Die Prüfung selbst fragt Geschichte, Geografie, Kultur, Staatskunde, politische Rechte und Pflichten sowie Sozialversicherungen ab, jeweils zur Schweiz, zum Kanton Glarus und zu deiner Wohngemeinde. Bestehst du, erhältst du eine vier Jahre gültige Bestätigung, das Dokument, das deine Gemeinde braucht, bevor sie auf dein Gesuch eintreten kann. Bestehst du nicht, sagen die Seiten der Schule nichts über Wartefristen, nur dass die nächsten Termine im März und Oktober liegen.
Zum Lesen empfiehlt das Merkblatt des Kantons zwei Titel: die HEKS-Reihe «ECHO – Informationen zur Schweiz» und «Die Schweiz verstehen» aus dem hep-Verlag, das es auch als Gratis-App gibt.
Testen Sie Ihr Wissen
5 kostenlose Fragen probierenDrei Gemeinden, drei Praktiken, eine Gebührenobergrenze
Seit 2011 hat der Kanton nur noch drei Gemeinden, und jede organisiert die kommunale Stufe auf ihre Art. In Glarus entscheidet der Einbürgerungsrat, ein siebenköpfiges Gremium neben dem Gemeinderat, über das Gemeindebürgerrecht auf Grundlage der von der Verwaltung aufbereiteten Akten; die Gebühr beträgt pauschal CHF 2100 pro erwachsene Person und CHF 4200 pro Ehepaar, zahlbar vor der Einreichung, wovon die Hälfte verfällt, wenn du vor dem Gespräch zurückziehst, und alles bei einem negativen Entscheid. In Glarus Nord führt die Einbürgerungskommission aus Gemeindepräsident, einem Gemeinderat und drei Parteivertretern die Gespräche und erteilt oder verweigert das Bürgerrecht; die Gebühr liegt bei CHF 1500 bis 2100 pro Person nach Aufwand, mit einem Depot von CHF 500 bei Eingang des Gesuchs. In Glarus Süd eröffnet ein 30-minütiges Vorgespräch beim Departement Gesellschaft und Sicherheit in Schwanden das Dossier, die Einbürgerungskommission führt später ein rund einstündiges Gespräch über Deutsch, politische und gesellschaftliche Grundkenntnisse, Integration und Erwerbsleben, und der Gemeinderat nimmt dich auf; die Gebühr beträgt CHF 2100 pro Person, vor der Einreichung bezahlt.
Die Obergrenze für alle drei setzt die kantonale Verordnung bei CHF 2100 pro Person. Die Gebühr des Kantons selbst beträgt höchstens CHF 1000 pro Gesuch, um die Hälfte auf CHF 1500 erhöht, wenn ein Dossier aussergewöhnlich viel Aufwand verursacht, typischerweise bei vielen Familienangehörigen. Der Bund verlangt CHF 100 pro erwachsene Person, CHF 150 für ein Ehepaar und CHF 50 für eine allein gesuchstellende minderjährige Person. Einbezogene minderjährige Kinder sind auf jeder Ebene kostenlos. Dazu die KBS: CHF 30 für den Informationsabend und entweder CHF 100 für die Prüfung oder CHF 275 für Kurs und Lehrmittel.
Vermeiden Sie teure Wiederholungen
Preise anzeigenVorbereitung: Landsgemeinde, Landrat und Näfels
Die kantonale Ebene von Prüfung und Gespräch ist der Ort, an dem sich Vorbereitung lohnt, und die Verfassung liefert die harten Fakten. Die ordentliche Landsgemeinde versammelt sich am ersten Sonntag im Mai in Glarus; alle hier wohnhaften Schweizerinnen und Schweizer ab 16 Jahren sind in Kanton und Gemeinde stimmberechtigt, eine von nur zwei solchen Regeln in der Schweiz; die Landsgemeinde wählt Landammann und Landesstatthalter sowie die Gerichtspräsidien und Richterinnen und Richter, während der Landrat, das Kantonsparlament mit 60 Mitgliedern, und der Regierungsrat mit fünf vollamtlichen Mitgliedern an der Urne gewählt werden. Seit dem 1. Januar 2011 besteht der Kanton aus drei Einheitsgemeinden, Glarus Nord, Glarus und Glarus Süd, die je Ortsgemeinde, Schulgemeinde und Tagwen zusammenfassen.
Geschichte und Geografie folgen in unseren 35 Fragen zu Glarus: der Beitritt zur Eidgenossenschaft 1352, im selben Jahr wie Zug; die Schlacht bei Näfels 1388 und die jährliche Näfelser Fahrt; Zwinglis Jahre als Pfarrer in Glarus; der grosse Brand von 1861, vom Föhn angefacht, und der Wiederaufbau der Stadt im Rastermuster; der Tödi als höchster Gipfel; der Klöntalersee; die Glarner Hauptüberschiebung im UNESCO-Welterbe Tektonikarena Sardona; der Schabziger, der grüne Kräuterkäse; und die Textildruckvergangenheit.
Die kommunale Ebene stellst du selbst zusammen: der Name deines Gemeindepräsidenten oder deiner Gemeindepräsidentin, wie Versammlung oder Parlament deiner Gemeinde funktionieren, die Nachbardörfer, die Vereine und Feste vor Ort. Übe alles laut, denn sowohl die KBS-Prüfung als auch das Gespräch der Gemeinde sind mündlich, nicht schriftlich.
Überall üben
iOS App herunterladenNach dem Gespräch: Kanton, SEM und Regierungsrat
Die Reihenfolge der Behörden in Glarus legt das Gesetz fest. Du reichst bei deiner Gemeinde ein, die das vollständige Dossier dem Zivilstands- und Bürgerrechtsdienst an der Postgasse 29 zur Vorprüfung weiterleitet; der Dienst holt Auskünfte bei Behörden und Dritten ein, fordert fehlende Unterlagen unter Androhung von Säumnisfolgen nach und erstellt den Erhebungsbericht, oder er erlässt einen negativen Entscheid, wenn sich ein Hindernis nicht innert etwa eines Jahres beheben lässt. Das Ergebnis geht zurück an die Gemeinde, die dich anhört und entscheidet und den Entscheid samt Kostenspruch eröffnet; eine Verweigerung kannst du innert 30 Tagen beim Regierungsrat anfechten.
Dann übernimmt wieder der Kanton. Er prüft Strafregister und laufende Verfahren nochmals, schickt das Dossier mit der kantonalen Zusicherung an das Staatssekretariat für Migration, und sobald die Bundesbewilligung vorliegt, erteilt der Regierungsrat das Kantonsbürgerrecht, unter Vorbehalt neuer Tatsachen. Das Gesetz sagt ausdrücklich, dass Gemeinde- und Schweizer Bürgerrecht erst in diesem Moment erworben werden und dass die kantonale Gebühr vorher bei der Staatskasse hinterlegt sein muss.
Glarus Süd veranschlagt den ganzen Weg mit etwa eineinhalb bis zwei Jahren und fügt eine Warnung an, die man ernst nehmen sollte: In dieser Zeit dürfen keine Vorkommnisse oder Strafen entstehen. Melde jede Änderung von Adresse, Zivilstand, Arbeit oder Finanzen sofort, denn die Verordnung macht das zur Pflicht, und der Erhebungsbericht wird bis zum Ende nachgeführt.
