Landsgemeinde und Gemeindefusion – Glarus – Einbürgerungstest
Der Kanton Glarus praktiziert die direkteste Form der Demokratie der Schweiz - die Landsgemeinde, eine Freilichtversammlung, bei der Bürger durch Handheben abstimmen. Am ersten Sonntag im Mai versamme…
Der Kanton Glarus praktiziert die direkteste Form der Demokratie der Schweiz - die Landsgemeinde, eine Freilichtversammlung, bei der Bürger durch Handheben abstimmen. Am ersten Sonntag im Mai versammeln sich Tausende auf dem Zaunplatz in Glarus, um Beamte zu wählen und über Gesetze zu entscheiden. Diese antike Tradition koexistiert mit moderner Innovation: 2006 stimmten die Bürger dafür, diese Versammlung trotz moderner Drücke beizubehalten, und 2011 fusionierten sie mutig 25 Gemeinden zu nur 3. Glarus beweist, dass Tradition und Fortschritt einander stärken können.
Die Landsgemeinde-Tradition
Uralte demokratische Praxis:
- Freilichtversammlung aller stimmberechtigten Bürger
- Findet jährlich am ersten Sonntag im Mai statt
- Findet auf dem Zaunplatz in der Stadt Glarus statt
- Bürger stimmen durch Handheben (genannt Handmehr)
- Direktdemokratie in ihrer reinsten Form
- Tradition, die bis ins Mittelalter zurückreicht
Was die Landsgemeinde entscheidet:
- Wählt die kantonale Regierung:
- Landammann (kantonaler Führer/Präsident)
- Mitglieder des Regierungsrates (exekutiver Rat)
- Verabschiedet Verfassungsänderungen
- Genehmigt wichtige Gesetze und bedeutende Ausgaben
- Budgetgenehmigung
- Andere bedeutende kantonale Angelegenheiten
Die Veranstaltung:
- Bürger versammeln sich aus dem ganzen Kanton auf dem Platz
- Traditionellerweise trugen Männer Schwerter als Symbol der Bürgerschaft (heute selten)
- Der Landammann präsidiert von einer Plattform
- Jeder Antrag wird erklärt
- Reden werden für und gegen gehalten
- Abstimmung durch Handheben - Mehrheit klar sichtbar
- Ergebnisse durch Handheben bestimmt
- Umstrittene Abstimmungen können angefochten und formal gezählt werden
Merkmale der modernen Landsgemeinde
Beteiligung von Frauen:
- Seit 1972: Frauen participated an der Landsgemeinde
- Glarus gewährte Frauen 1972 das kantonale Stimmrecht
- Frauen participated heute aktiv an der Versammlung
Einzigartiges Wahlalter:
- Wahlalter ist 16 in Glarus!
- Gesenkt von 18 (einzig Schweizer Kanton mit Wahlalter 16)
- Experiment in der Jugendlichenpolitikbeteiligung
- Glarus glaubt, dass junge Menschen eine Stimme haben sollten
- Einzigartig in der Schweiz
Nur noch zwei Kantone:
- Glarus und Appenzell Innerrhoden sind die einzigen zwei Kantone, die noch Landsgemeinde praktizieren
- Appenzell Ausserrhoden schaffte sie 1997 ab
- Andere ehemalige Landsgemeinde-Kantone wechselten zu geheimer Abstimmung
- Glarus hält die Tradition trotz Modernisierungsdrücken
Wer kann teilnehmen:
- Nur Schweizer Bürger mit kantonalem Wohnsitz
- Muss geistig kompetent sein
- 16 Jahre oder älter
- Nicht-Bürger sind ausgeschlossen (sogar Langzeitbewohner)
Abstimmung 2006: Tradition bewahren
Diskussionen über die Landsgemeinde:
-
Kritiker argumentierten für geheime Abstimmung:
- Keine geheime Abstimmung bei Handheben
-
Bedenken:
- Einschüchterung möglich (sozialer Druck, auf bestimmte Weise abzustimmen)
- Schwierig für scheue Menschen, öffentlich abzustimmen
- Barrierefreiheit für behinderte Personen
- Rückläufige Beteiligung im Laufe der Zeit
-
Befürworter verteidigten die Tradition:
- Direktdemokratie in ihrer reinsten Form
- Gemeinschaftsgefühl des Zusammenkommens
- Transparenz - Abstimmungen sind sichtbar
- Verbindung zur Geschichte und Identität
- Staatsbürgerliche Bildung - Demokratie in Aktion sehen
Die Abstimmung 2006:
- Landsgemeinde stimmte darüber ab, ob sie sich behalten oder abschaffen solle
- Bürger stimmten dafür, die Landsgemeinde ZU BEHALTEN mit klarer Mehrheit
- Lehnte Abschaffung und Wechsel zu geheimer Abstimmung ab
- Tradition trotz Unvollkommenheiten geschätzt
- Zeigte Engagement für diese einzigartige demokratische Form
Ergebnis:
- Landsgemeinde setzt sich in Glarus fort
- Periodische Diskussionen über Reformen, aber Tradition bewahrt
- Abstimmung 2006 bestätigte ihre Bedeutung für die kantonale Identität
Die Gemeindefusion 2011
Das Problem:
- Glarus hatte 25 Gemeinden (viele sehr klein)
- Kleine Bevölkerung (~40'000) über viele Gemeinden verteilt
- Viele Dörfer hatten nur wenige hundert Einwohner
- Verwaltungskosten unverhältnismässig hoch
- Schwierigkeit, Beamte für winzige Gemeinden zu rekrutieren
- Ineffizienz und Duplikation von Dienstleistungen
- Finanzielle Belastung für kleine Gemeinden
Die radikale Lösung:
- Vorschlag 2006: ALLE 25 Gemeinden zu nur 3 grossen fusionieren
- Dramatischste Gemeindefusion in der Schweizer Geschichte
- Reduzierung von 25 auf 3 in einem Schritt
- Konsolidierung von Verwaltung, Dienstleistungen und Finanzen
Die Abstimmung:
- 7. Mai 2006: Landsgemeinde stimmte über die Fusion
- Bürger stimmten JA mit klarer Mehrheit
- Genehmigten die radikale Umstrukturierung
- Umsetzung für die kommenden Jahre geplant
Neue Struktur (1. Januar 2011):
Drei Gemeinden geschaffen:
- Glarus Nord (Norden) - ~18'000 Einwohner
- Nördliches Talgebiet (Näfels, Mollis, Bilten, etc.)
- Glarus (Mitte) - ~12'000 Einwohner
- Zentrales Tal (Hauptstadt und Umgebung)
- Glarus Süd (Süden) - ~10'000 Einwohner
- Südliches Tal und Berge (Braunwald, Elm, Linthal, etc.)
Ergebnisse:
- Kleinste Anzahl Gemeinden aller Schweizer Kantone (nur 3!)
- Verwaltungskosten erheblich reduziert
- Professionelle Verwaltung jetzt möglich
- Bessere Dienstleistungen durch Skaleneffekte
- Ehemalige Dorfnamen erhalten als Ortschaften
- Erfolgreiches Modell für andere Kantone, die Fusionen erwägen
Glarus vollführt eine fragile Balance zwischen Tradition und Fortschritt! 2006 nutzten die Bürger die antike Landsgemeinde-Versammlung, um über zwei wichtige Fragen abzustimmen: Sie stimmten dafür, ihre traditionelle Freilichtabstimmungsmethode BEIZUZUHALTEN, trotz Aufrufen zur Modernisierung, und sie stimmten dafür, 25 Gemeinden zu nur 3 für grössere Effizienz zu fusionieren. Die selbe Versammlung, die sich seit Jahrhunderten trifft, genehmigte auch eine der radikalsten munizipalen Reorganisationen der Schweiz. Glarus beweist, dass Direktdemokratie sowohl Erbe als auch Innovation umarmen kann!
Glarus hat die jüngsten Wähler der Schweiz - und möglicherweise der Welt! Der Kanton senkte sein Wahlalter auf 16 für die Landsgemeinde, was es zum einzigen Schweizer Kanton macht, in dem 16- und 17-Jährige an der kantonalen Demokratie teilnehmen können. Dieses mutige Experiment in der Jugendbeteiligung zeigt das Engagement von Glarus, junge Stimmen in politische Entscheidungen einzubeziehen. Stellen Sie sich vor, Sie wählen mit 16 in einer Freilichtversammlung, wo Sie Ihre Hand neben tausenden Bürgern heben - das ist Demokratie, Glarus-Art!
Merke Glaruser Demokratie: Landsgemeinde erster Sonntag im Mai (Zaunplatz, Abstimmung durch Handheben, wählt Landammann und Regierungsrat), Wahlalter 16 (einzigartig in der Schweiz), Frauen seit 1972, Nur noch zwei Kantone praktizieren sie noch (Glarus + Appenzell Innerrhoden), 2006 für Beibehaltung gestimmt, Gemeindefusion 2011 (25→3 Gemeinden: Glarus Nord ~18k, Glarus ~12k, Glarus Süd ~10k). Glarus: antike Demokratie trifft moderne Effizienz!