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Regierung und TraditionenNidwalden – Einbürgerungstest

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Nidwalden vereint antike demokratische Traditionen mit moderner repräsentativer Regierung. Jahrhundertelang versammelten sich die Bürger an der Landsgemeinde (Freiluftversammlung), um per Handzeichen …

Nidwalden vereint antike demokratische Traditionen mit moderner repräsentativer Regierung. Jahrhundertelang versammelten sich die Bürger an der Landsgemeinde (Freiluftversammlung), um per Handzeichen abzustimmen. 1997 war Nidwalden einer der letzten Kantone, die diese direkte Demokratieinstitution abschafften und stattdessen ein parlamentarisches System mit geheimer Wahl einführten. Doch der Geist der direkten Demokratie lebt durch häufige Referenden und aktive Bürgerbeteiligung weiter.

Das Ende der Landsgemeinde (1997)

Nidwaldens Landsgemeinde fand jährlich am letzten Sonntag im April auf dem Dorfplatz von Stans statt. Bürger versammelten sich, um über Gesetze, Budgets und Wahlen per Handzeichen abzustimmen. 1997 entschieden die Wähler Nidwaldens knapp, diese 600 Jahre alte Institution abzuschaffen. Die Gründe waren: der Wunsch nach geheimer Abstimmung, um den sozialen Druck zu reduzieren, die Schwierigkeit, grosse Versammlungen in der modernen Zeit zu organisieren, und Bedenken bezüglich der Entscheidungsqualität. Die letzte Landsgemeinde zog 6'000-7'000 Teilnehmer an — eine beeindruckende Beteiligung für einen Kanton mit weniger als 40'000 Menschen zu dieser Zeit. Diese Entscheidung markierte Nidwaldens Übergang von mittelalterlicher zu moderner Demokratie.

Moderne Regierungsstruktur

Heute wird Nidwalden von einem einkammrigen Landrat (Parlament) mit 60 Mitgliedern regiert, die alle vier Jahre gewählt werden, und einem Regierungsrat (Exekutivrat) mit 7 Mitgliedern Beide Organe verwenden das Proporzwahlsystem, um sicherzustellen, dass mehrere Parteien eine Stimme haben. Als Halbkanton entsendet Nidwalden nur einen Vertreter in den Ständerat (das Oberhaus der Schweiz), hat aber dort volle Stimmrechte. Die 11 Gemeinden des Kantons behalten beträchtliche Autonomie über lokale Angelegenheiten wie Raumplanung und Bildung, was die föderalistische Tradition der Subsidiarität der Schweiz widerspiegelt — Entscheidungen werden auf der möglichst lokalen Ebene getroffen.

Auch ohne die Landsgemeinde bleibt Nidwalden einer der politisch aktivsten Kantone der Schweiz — die Wahlbeteiligung übersteigt konsistent 50% und erreicht oft 60-70% bei wichtigen Referenden.

Merke: Landsgemeinde = Letzter April-Sonntag, und 7 Regierungsratsmitglieder für den Exekutivrat.