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Der Bundesrat: Die Exekutive der Schweiz – Einbürgerungstest Schweiz

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Die Exekutive der Schweiz unterscheidet sich von jener der meisten anderen Länder. Statt einer einzigen Präsidentin oder eines einzigen Präsidenten beziehungsweise eines Regierungschefs wird die Schwe…

Die Exekutive der Schweiz unterscheidet sich von jener der meisten anderen Länder. Statt einer einzigen Präsidentin oder eines einzigen Präsidenten beziehungsweise eines Regierungschefs wird die Schweiz von einem siebenköpfigen Bundesrat (Deutsch: Bundesrat, Französisch: Conseil fédéral, Italienisch: Consiglio federale) geführt. Dieses kollegiale Gremium trifft Entscheidungen gemeinsam; kein Mitglied verfügt über mehr Macht als die anderen. Der Bundesrat verkörpert zentrale schweizerische politische Werte: Konsens, Machtteilung und Kollegialität. Den Bundesrat zu verstehen ist wesentlich, um nachzuvollziehen, wie die Schweiz regiert wird.

Der siebenköpfige Kollegiative Exekutive

Der Bundesrat besteht aus sieben Mitgliedern, die je ein Departement leiten (vergleichbar mit einem Ministerium). Die sieben Bundesrätinnen und Bundesräte sind gleichberechtigt — niemand steht über den andern. Das unterscheidet sich grundlegend von parlamentarischen Systemen mit einem Premierminister oder von präsidialen Systemen mit einem Präsidenten. Entscheide des Bundesrats werden kollektiv mit Mehrheitsentscheid unter den sieben Mitgliedern gefällt. Sobald eine Entscheidung getroffen ist, unterstützen alle sieben Mitglieder sie öffentlich, auch wenn sie intern dagegen waren. Dieses Prinzip nennt man Kollegialität. Die Schweizerinnen und Schweizer sind der Ansicht, dass dieses System eine Konzentration der Macht verhindert und eine ausgewogene Regierungsführung sicherstellt, die verschiedene Regionen, Sprachen und politische Strömungen abbildet.

Wahl der Bundesräte

Die Mitglieder des Bundesrates werden von der Bundesversammlung (beide Kammern des Parlaments gemeinsam) für eine Amtsdauer von vier Jahren gewählt. Im Gegensatz zu den meisten Demokratien wählen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger den Bundesrat nicht direkt. Einmal gewählt, bleiben Bundesräte in der Regel viele Jahre im Amt — üblicherweise acht bis zwölf Jahre oder länger. Bundesräte treten selten zurück oder werden abgewählt; das Amt gilt als stabil und langfristig. Diese Kontinuität sorgt für Regierungsstabilität und fachliche Kompetenz. Wahlen finden statt, wenn ein Sitz frei wird (zum Beispiel durch Pensionierung oder Rücktritt). Die Bundesversammlung wählt das Ersatzmitglied durch geheime Abstimmung.

Die Zauberformel

Die Schweiz wendet eine informelle Machtteilung an, die als «Zauberformel» bezeichnet wird, um die grossen Parteien proportional im Bundesrat zu vertreten. Von 1959 bis 2003 lautete die Formel 2-2-2-1: je zwei Sitze für die FDP (Freisinnig-Demokratische Partei), die CVP (Christlichdemokratische Volkspartei) und die SP (Sozialdemokratische Partei) sowie ein Sitz für die SVP (Schweizerische Volkspartei). 2003 änderte sich die Besetzung, wobei die SVP einen zweiten Sitz erhielt. Die Zauberformel sorgt dafür, dass die Regierung ein breites politisches Spektrum abdeckt und nicht nur den Wahlsieger repräsentiert. Das ist Konkordanzdemokratie in der Praxis – sogar Oppositionsparteien sind an der Regierung beteiligt. Die Formel berücksichtigt zudem die sprachliche und regionale Vertretung.

Die rotierende Präsidentschaft

Jedes Jahr übernimmt eines der sieben Mitglieder des Bundesrates das Amt des Bundespräsidenten der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Die Präsidentschaft rotiert jährlich unter den sieben Mitgliedern, in der Regel nach Dienstalter. Der Bundespräsident verfügt gegenüber den anderen sechs Bundesräten über kaum zusätzliche Befugnisse – es handelt sich hauptsächlich um ein repräsentatives und zeremonielles Amt. Er leitet die Sitzungen des Bundesrates, vertritt die Schweiz bei internationalen Anlässen und hält Ansprachen zu nationalen Gelegenheiten. Der Bundespräsident kann jedoch nicht allein politische Entscheidungen treffen und besitzt kein Vetorecht. Nach einem Jahr wird eine neue Präsidentschaft gewählt. Dieses Rotationsprinzip verhindert, dass eine einzelne Person Macht anhäuft, und stellt sicher, dass die Führungsverantwortung auf alle sieben Mitglieder verteilt ist.

Die Sieben Bundesdepartemente

Jedes Mitglied des Bundesrats leitet eines der sieben Departemente: (1) Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) – Aussenpolitik und Diplomatie; (2) Eidgenössisches Departement des Innern (EDI) – Kultur, Gesundheit, soziale Versicherungen; (3) Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) – Justiz, Polizei, Migrationswesen; (4) Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) – Armee, Bevölkerungsschutz; (5) Eidgenössisches Finanzdepartement (EFD) – Bundeshaushalt, Steuern, Zoll; (6) Eidgenössisches Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) – Wirtschaft, Landwirtschaft, Bildung; (7) Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) – Infrastruktur, Umwelt, Energie. Die Bundesräte sind für die Führung ihres Departements verantwortlich, treffen die wichtigen politischen Entscheidungen jedoch gemeinsam in den Sitzungen des Bundesrats.

Vertretung und Vielfalt

Der Bundesrat hat das Ziel, die Vielfalt der Schweiz abzubilden. Informelle Regeln sorgen dafür, dass die Sprachregionen vertreten sind (in der Regel fünf Deutschsprachige, zwei Französischsprachige und idealerweise eine Italienischsprachige, wobei es Abweichungen geben kann). Das Geschlechterverhältnis hat sich im Laufe der Zeit verbessert – historisch rein männlich, umfasst der Bundesrat heute mehrere Frauen, eine echte Geschlechterparität ist jedoch noch nicht erreicht. Verschiedene Kantone sollen vertreten sein – die Bundesräte stammen aus unterschiedlichen Kantonen. Die Zauberformel gewährleistet die Parteienvielfalt. Dieses Repräsentationssystem sorgt dafür, dass der Bundesrat die mehrsprachige, kantonsvielfältige und parteipolitisch durchmischte Realität der Schweiz widerspiegelt. Es ist nicht immer perfekt, doch das Ziel ist eine breite Vertretung statt einer Konzentration der Macht.

Die Mitglieder des Bundesrats sind im Vergleich zu Regierungschefs in den meisten Ländern bemerkenswert gut erreichbar. Sie haben keine grossen Personenschutz-Teams oder motorisierten Eskortezüge. Es ist nicht ungewöhnlich, Bundesräte mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren, im Supermarkt einkaufen oder ohne Personenschützer durch Bern spazieren zu sehen. Der ehemalige Bundesrat Adolf Ogi war dafür bekannt, mit dem Zug zur Arbeit zu fahren. Diese Nähe spiegelt die demokratischen Werte der Schweiz wider — Bundesräte sind öffentliche Bedienstete, keine Monarchen. Die zurückhaltende Sicherheit ist möglich, weil die politische Kultur der Schweiz im Allgemeinen Amtsträger respektiert und Personenkulte vermeidet, wie sie anderswo vorkommen.

Behalten Sie diese wichtigen Fakten zum Bundesrat im Hinterkopf: 7 Mitglieder (siebenköpfige kollektive Exekutive), gewählt von der Bundesversammlung (keine Direktwahl), Amtsdauer 4 Jahre (Wiederwahl üblich; in der Praxis bleiben Ratsmitglieder oft deutlich länger), Kollegialitätsprinzip (kollektive Entscheide, öffentliche Geschlossenheit), rotierendes Präsidium (ein Jahr, repräsentative Rolle, keine zusätzlichen Befugnisse), Zauberformel (proportionale Parteivertretung; heute unterschiedliche Parteilandschaften), 7 Departemente (jedes Departement wird von einem Bundesrat geführt). Kernidee: kollektive Führung verhindert Machtkonzentration, repräsentiert die Vielfalt der Schweiz (sprachlich, regional, politisch) und setzt auf Konsens statt auf reines Mehrheitsprinzip.