Zwei Anhörungen statt einer Prüfung
Wer «den Walliser Einbürgerungstest» sucht, findet keinen. Der Kanton kennt keine Standardprüfung. Sein Bürgerrechtsgesetz verlangt, dass du in die Walliser Gemeinschaft integriert und an die Lebensweise des Landes gewöhnt bist, und überlässt die Prüfung deiner Wohngemeinde, die mit der kantonalen Dienststelle für Bevölkerung und Migration (SPM) zusammenarbeitet. Praktisch heisst das: eine Anhörung vor einer kommunalen Kommission von 15 bis 30 Minuten. Der Leitfaden des SPM für die Gemeinden setzt die Regeln: Fragen dürfen schriftlich oder mündlich gestellt werden, ein Drittel soll deine Gemeinde und Region betreffen, sie müssen für jemanden mit B1/A2 verständlich sein, und es gibt keine Noten, nur eine Gesamtbeurteilung, die positiv ausfallen muss.
Auf kantonaler Ebene folgt eine zweite Anhörung. Eine Unterkommission der Justizkommission des Grossen Rates empfängt alle Kandidatinnen und Kandidaten zu einem informellen Gespräch von 10 bis 15 Minuten über die Behörden von Bund, Kanton und Gemeinde, das institutionelle System und die Motivation. Der Leitfaden nennt es «pas un examen», aber gefragt wird, und etwa jede zehnte Person wird für bis zu sechs Monate zum Nachbessern weggeschickt.
Die gute Nachricht: Der Kanton publiziert, was drankommen kann. Sein Fragebogen «Valais» listet rund 140 mögliche Fragen mit einer separaten Antwortdatei, und unsere 50 Fragen zum Wallis decken den kantonalen Teil davon ab.
Zehn, fünf und drei Jahre, C-Bewilligung und Französisch oder Deutsch
Die Wohnsitzregeln stapeln sich in drei Schichten. Das Bundesrecht verlangt zehn Jahre in der Schweiz, davon drei in den fünf Jahren vor dem Gesuch; die Jahre zwischen 8 und 18 zählen doppelt, mindestens sechs Jahre musst du tatsächlich hier verbracht haben. Das kantonale Recht fügt fünf Jahre im Wallis und drei Jahre in der Gemeinde hinzu, bei der du das Gesuch stellst, wobei diese drei Jahre auf höchstens zwei Walliser Gemeinden verteilt sein dürfen. Bei Ehepaaren mit gemeinsamem Gesuch genügt es, wenn einer die fünf Kantonsjahre erfüllt. Du brauchst eine Niederlassungsbewilligung C und bleibst während des Verfahrens in der Gemeinde wohnhaft.
Das Wallis akzeptiert Französisch oder Deutsch, nicht Italienisch, auch nicht bei jemandem, der seit Jahrzehnten in einer Walliser Gemeinde lebt. Verlangt ist B1 mündlich und A2 schriftlich, belegt mit dem fide-Sprachenpass oder einem Zertifikat von der fide-Liste. Befreit sind Muttersprachige, wer fünf Jahre obligatorische Schule in der Sprache besucht hat und wer einen Abschluss der Sekundarstufe II oder Tertiärstufe in dieser Sprache hat. Der Leitfaden warnt zusätzlich: Wer im Unterwallis Deutsch spricht oder im Oberwallis Französisch, erfüllt die Sprachbedingung, aber die Sprache der eigenen Gemeinde nicht zu kennen, kann Fragen zu den übrigen Integrationskriterien auslösen. An den Anhörungen selbst wird die Sprache nicht mehr geprüft.
Die übrigen Bedingungen sind die des Bundes, streng angewendet. Keine Sozialhilfe in den drei Jahren vor dem Gesuch und während des Verfahrens, ausser sie ist vollständig zurückbezahlt. Kein Strafregistereintrag und kein hängiges Strafverfahren. Keine offenen Betreibungen oder Verlustscheine der letzten fünf Jahre und keine Steuerausstände; der Betreibungsauszug muss fünf Jahre abdecken. Das Zivilstandsamt nimmt ein Dossier, das an einem dieser Punkte scheitert, gar nicht an.
Was die Gemeinden konkret machen: Sion, Siders, Martinach, Monthey, Brig-Glis, Visp
Weil das Format Sache der Gemeinde ist, lohnt sich der Blick auf die Seite der eigenen Gemeinde. Im Oberwallis lädt Brig-Glis zu einem schriftlichen Test und einem Gespräch mit der Einbürgerungskommission, die einen Integrationsbericht an den Stadtrat schreibt; Visp führt eine schriftliche und eine mündliche Prüfung vor seiner Kommission durch, dann entscheidet der Gemeinderat. In Sion schickt dir die Commission municipale d'octroi du droit de cité aus Stadträten, Verwaltung und Einbürgerungsverantwortlichem zuerst einen Fragebogen zu Personalien, Motivation und Referenzen und hört dich dann zu Sprache, Integration, Motivation und Lebensweg an.
Siders hört die Kandidatinnen und Kandidaten vor seiner Commission du droit de cité an und führt viermal jährlich einen Vorbereitungskurs von vier Abenden zu Geografie, Geschichte, politischem System und Bräuchen für CHF 20 durch. Martinach bietet am Dienstagabend eine Info-Naturalisation-Sprechstunde im Integrationsbüro und Vorbereitungskurse, die für Einwohnerinnen und Einwohner gratis sind. Monthey schaltet einen eigenen Schritt vor: ein Einzelgespräch mit der Gemeindepolizei, die einen Untersuchungsbericht verfasst, bevor die Anhörung zu Monthey, Wallis und Schweiz vor der Commission de Naturalisation stattfindet, in zwei Sessionen pro Jahr; die Maison du Monde bereitet in ihrer Sprechstunde «Infos Natu» gratis darauf vor.
Allen gemeinsam: Jede erwachsene Person im Gesuch und jedes Kind ab 12 wird gehört, die Einladung kommt mindestens einen Monat vorher und sagt, ob es einen schriftlichen Teil gibt, und es wird protokolliert. Reichen die Kenntnisse nicht, kann die Gemeinde das Dossier bis zu sechs Monate sistieren und dich vor einer zweiten Anhörung in einen Kurs oder zu einer freiwilligen Begleitperson schicken.
Testen Sie Ihr Wissen
5 kostenlose Fragen probierenDie Kosten auf drei Ebenen
Die kantonale Gebühr beträgt seit dem 1. April 2020 CHF 600 für eine Einzelperson, minderjährig oder erwachsen, und CHF 1000 für eine Familie, plus «timbre santé» von CHF 55. Das SPM stellt sie in Rechnung, sobald deine Gemeinde das Gemeindebürgerrecht erteilt hat und bevor die Unterkommission des Grossen Rates dich anhört; sie ist geschuldet, ob der kantonale Vorbescheid positiv oder negativ ausfällt. Davor bezahlst du dem Zivilstandsamt die Bestätigung deiner Zivilstandsdaten, und wer den fide-Sprachenpass braucht, zahlt den Test zusätzlich.
Die Gemeindegebühren variieren. Das kantonale Tarifgesetz begrenzt sie auf CHF 1000, mit Spielraum bis zum Fünffachen in besonderen Fällen, und das SPM empfiehlt CHF 500 für eine Einzelperson und CHF 1000 für Paar oder Familie, genau das, was Brig-Glis und Visp verlangen. Siders und Monthey haben seit dem 1. Januar 2022 eine feinere Skala: CHF 500 für Minderjährige oder Lernende, 800 für Erwachsene, 1200 für ein Paar, 1000 für einen Elternteil mit Kindern und 1500 für eine Familie, zahlbar unabhängig davon, ob das Gemeindebürgerrecht erteilt wird. Sion publiziert keinen eigenen Tarif, beziffert aber die Gesamtkosten über alle drei Ebenen auf rund CHF 1000 für eine Einzelperson und CHF 2000 für eine Familie, in drei Raten.
Der Bund verlangt CHF 100 pro erwachsene Person, CHF 150 für ein gemeinsam gesuchstellendes Ehepaar und CHF 50 für eine allein gesuchstellende minderjährige Person; im Gesuch eines Elternteils einbezogene Kinder sind gratis, eine Verweigerung kostet CHF 300. Das SEM verlangt das Geld im Voraus, bevor es mit der Prüfung beginnt.
Vermeiden Sie teure Wiederholungen
Preise anzeigenVorbereitung mit dem Fragebogen des Kantons
Beginne mit dem Fragebogen «Valais» des SPM vom 17. Mai 2021 und seiner Antwortdatei vom 11. August 2022, beide auf der kantonalen Einbürgerungsseite verlinkt. Er versteht sich als nicht abschliessender Fächer möglicher Fragen und umfasst rund 140 Positionen in acht Blöcken: Staatskunde und Allgemeinwissen zu Schweiz und Wallis, Bund, Kanton, Gemeinde, Geografie, Bräuche, soziale und wirtschaftliche Integration sowie vier persönliche Fragen dazu, warum du Schweizerin oder Schweizer werden willst und wie du dich vorbereitet hast. Fragen für Kinder ab 9 und für Jugendliche von 14 bis 16 sind markiert; ab 17 gilt die ganze Liste.
Im kantonalen Block zahlt sich eine wallisspezifische Vorbereitung aus: die 13 Bezirke und die 13 Sterne auf der Fahne, die Sprachgrenze zwischen Salgesch und Siders, der Beitritt zur Eidgenossenschaft 1815, der Grosse Rat mit seinen 130 Abgeordneten und 130 Suppleanten, der Staatsrat mit 5 Mitgliedern, die Namen der Walliser Ständeräte, das Amphitheater von Martinach, die Pyramiden von Euseigne, der Aletschgletscher, die Suonen, die Kuhkämpfe, die Schwarznasenschafe und das Museum der Schweizergarde in Naters. Der Leitfaden für die Gemeinden ergänzt eine lange Themenliste, von den Staumauern Grande Dixence und Emosson über die Schlösser Valère, Tourbillon und Stockalper bis zu Foire du Valais, Gampel-Festival, Patrouille des Glaciers und den Tschäggättä des Lötschentals.
Dann kommt das lokale Drittel: Gemeindepräsidentin oder -präsident, die Gemeindelegislative (Urversammlung oder Generalrat), das Wappen, die Nachbargemeinden, der Fluss, die wichtigsten Vereine und Anlässe. Unsere Fragen zum Kanton Wallis üben die kantonale Ebene im Quizformat; die Lektionen zu Politik, Geschichte und Geografie der Schweiz decken die Bundesblöcke ab.
Überall üben
iOS App herunterladenNach den Anhörungen: SEM, Grosser Rat und Eid
Die Reihenfolge im Wallis lautet nicht Gemeinde, Kanton, Bund und fertig. Nachdem deine Gemeinde das Gemeindebürgerrecht erteilt und die Unterkommission des Grossen Rates einen positiven kantonalen Vorbescheid gegeben hat, leitet das SPM das Dossier an das Staatssekretariat für Migration weiter, das die Bundesgebühr im Voraus verlangt, Integrationskriterien und Sicherheit prüft und die eidgenössische Einbürgerungsbewilligung in der Regel innert acht Monaten erteilt. Diese Bewilligung ist ein Jahr gültig. Erst dann stimmt der Grosse Rat ab, über eine Liste von Kandidatinnen und Kandidaten, in seiner Mai- oder Novembersession. Das Datum dieser Abstimmung ist dein Einbürgerungsdatum, und das spezialisierte Zivilstandsamt trägt es in Infostar ein.
Ein Schritt bleibt, und er ist obligatorisch: der Eid. Zweimal im Jahr, Ende Mai bis Mitte Juni und Ende November bis Mitte Dezember, stehen die neuen Walliserinnen und Walliser vor einem oder mehreren Mitgliedern des Staatsrats, begleitet von der Ehrengarde, heben die rechte Hand und antworten «Je le jure» oder «Je le promets» auf das Treueversprechen gegenüber Eidgenossenschaft und Kanton. Direkt danach erhältst du deinen Heimatschein, den du mit deiner C-Bewilligung bei der Einwohnerkontrolle deiner Gemeinde abgibst, und kannst einen Termin für Pass oder Identitätskarte buchen, die zwei bis drei Wochen später eintreffen.
Wie lange dauert das Ganze? Der Kanton nennt keine Gesamtdauer. Die Stadt Sion sagt zwei bis drei Jahre oder mehr, je nach Anzahl Dossiers. Die festen Rhythmen erklären, warum: Anhörungen der Unterkommission in zwei Serien pro Jahr, rund acht Monate beim SEM, eine Grossratssession im Mai oder November, der Eid zwei bis drei Wochen später und bis zu sechs Monate Sistierung, wenn eine Anhörung schlecht läuft. Ablehnungen der Gemeinde oder des Grossen Rates werden nur summarisch begründet; du hast 30 Tage, um eine vollständige Verfügung zu verlangen, und dann 30 Tage für die Beschwerde an das Kantonsgericht.
