Die Grundlage ist Artikel 3 des Walliser Bürgerrechtsgesetzes, der neben ausreichenden Kenntnissen einer der beiden Amtssprachen verlangt, dass du «intégré dans la communauté valaisanne» bist und dich «au mode de vie et aux usages du pays» gewöhnt hast, sowie Artikel 11 des Bundesgesetzes mit der Vertrautheit mit den schweizerischen Lebensverhältnissen. Wie das geprüft wird, regelt nicht ein kantonaler Test, sondern die Wohngemeinde in Zusammenarbeit mit dem Kanton (Art. 4 RLDCV). Der Leitfaden des SPM für die Gemeinden gibt den Rahmen vor: Die Gemeinden sind frei, ihre Fragen schriftlich oder mündlich zu stellen; ein Drittel der Fragen soll sich auf lokale oder kommunale Themen beziehen; die Fragen müssen für jemanden mit B1/A2 verständlich sein, weshalb «quelle est la montagne la plus haute de Suisse» besser ist als «quel est le point culminant»; die Sprache selbst wird nicht mehr geprüft; Noten sind nicht vorgesehen, aber die Gesamtbeurteilung muss positiv ausfallen. Die Anhörung dauert 15 bis 30 Minuten, alle erwachsenen Gesuchstellenden und Kinder ab 12 Jahren müssen gehört werden, die Einladung kommt mindestens einen Monat vorher und nennt Ort, Dauer, Inhalt und einen allfälligen schriftlichen Test, und über alles wird ein Protokoll geführt.
Was gefragt werden kann, publiziert der Kanton selbst. Der Fragebogen «Valais» vom 17. Mai 2021 versteht sich als «éventail de questions possibles», nicht als abschliessende Liste, und umfasst rund 140 Fragen in acht Blöcken: 42 zu Staatskunde und Allgemeinwissen Schweiz/Wallis (Direktdemokratie, Milizparlament, 26 Kantone, 1291 und 1848, Landessprachen, Sonderbund, Frauenstimmrecht, die 13 Walliser Bezirke, die Sprachgrenze, 1815), 16 zum Bund, 13 zum Kanton (Staatsrat, Grosser Rat, Suppleanten, Kantonsgericht), 9 zur Gemeinde (Gemeindepräsident, Legislative, Wappen), 20 zur Geografie (Hauptort, Rhone, Furka, Euseigne, Amphitheater von Martinach, Staumauern, Aletsch), 21 zu Bräuchen (Kuhkämpfe, Schwarznasenschafe, Suonen, Alpauf- und -abzug, Weine, Garde-Museum), 15 zur sozialen und wirtschaftlichen Integration (Notrufnummern, AHV, Schulwesen, Medien) und 4 persönliche Fragen zur Motivation. Fragen für Kinder ab 9 und Jugendliche von 14 bis 16 sind markiert, ab 17 gilt der ganze Katalog; die Antworten stehen in einer eigenen Datei vom 11. August 2022. Der Leitfaden ergänzt eine Themenliste von den 13 Sternen der Walliser Fahne über Zermatt, Verbier, Crans-Montana, Grande Dixence, Pfyn-Finges, die Abtei Saint-Maurice und die Schlösser Valère, Tourbillon und Stockalper bis zu Foire du Valais, Gampel-Festival, Patrouille des Glaciers und Tschäggättä.
Wie die Gemeinden das umsetzen, unterscheidet sich. Brig-Glis lädt zu einem schriftlichen Test und einem Gespräch der Einbürgerungskommission, die einen Integrationsbericht an den Stadtrat verfasst; Visp zu einer schriftlichen und einer mündlichen Prüfung vor seiner Kommission, dann entscheidet der Gemeinderat. In Sion empfängt dich die Commission municipale d'octroi du droit de cité aus Mitgliedern des Stadtrats, der Verwaltung und der Einbürgerungsstelle und fragt nach Sprache, Integration, Motivation und Lebensweg; die Stadt bietet mit der OSEO Valais mehrmals jährlich Kursabende «Naturalisation, ce qu'il faut savoir» an. Siders hört dich vor seiner Commission du droit de cité an und führt viermal jährlich einen Vorbereitungskurs von vier Abenden zu Geografie, Geschichte, politischem System und Bräuchen für CHF 20 durch. Martinach hat eine Info-Naturalisation-Sprechstunde am Dienstagabend und kostenlose Vorbereitungskurse für Einwohnerinnen und Einwohner. Monthey verlangt zuerst ein Einzelgespräch mit der Gemeindepolizei, die einen Untersuchungsbericht schreibt, dann eine Anhörung vor der Commission de Naturalisation zu Monthey, Wallis und Schweiz, in zwei Sessionen pro Jahr, und die Maison du Monde bereitet in der Sprechstunde «Infos Natu» gratis darauf vor.
Die zweite Anhörung führt der Kanton durch. Nach dem Gemeindeentscheid und der Zahlung der kantonalen Gebühr lädt dich das SPM etwa zwei Wochen im Voraus zur Unterkommission «Naturalisations, recours en grâce, exécution des peines et établissements pénitentiaires» der Justizkommission des Grossen Rates ein, die in zwei Serien pro Jahr, Januar bis April und August bis Oktober, alle Kandidatinnen und Kandidaten anhört. Das Gespräch dauert 10 bis 15 Minuten und ist laut Leitfaden «pas un examen», aber es werden Fragen zu den Behörden von Bund, Kanton und Gemeinde, zum institutionellen System und zum Allgemeinwissen gestellt, und die Motivation wird beurteilt. Genügt das nicht, sistiert die Unterkommission das Verfahren für höchstens sechs Monate und das SPM schreibt dir eingeschrieben, was zu verbessern ist; das betraf in den Jahren 2016 und 2017 rund 10 Prozent der Kandidatinnen und Kandidaten. Unsere 50 Fragen zum Kanton Wallis decken den kantonalen Teil ab, vom Beitritt 1815 über die 13 Bezirke und 122 Gemeinden, den Grossen Rat mit 130 Abgeordneten und den Staatsrat mit 5 Mitgliedern bis zu Matterhorn, Aletschgletscher, Suonen, Kuhkämpfen und Walliser Weinen; ergänze sie mit den Lektionen zum Bund und arbeite den Fragebogen des SPM durch.