Ein Gespräch mit Fragebogen statt einer schriftlichen Prüfung: So prüft der Jura
Das jurassische Bürgerrechtsgesetz ist eines der ältesten der Schweiz und sagt nichts von einem Test. Artikel 16 der Kantonsverfassung hält fest, dass das Gemeindebürgerrecht das Kantonsbürgerrecht begründet, und überlässt Voraussetzungen und Verfahren dem Gesetz. Die Loi sur le droit de cité vom 9. November 1978, von der Verfassunggebenden Versammlung wenige Wochen vor der Kantonsgründung beschlossen, verlangt in Artikel 6 von ausländischen Gesuchstellenden die Ausübung der bürgerlichen Rechte, einen guten Ruf, die Mittel für den eigenen Unterhalt und den der Familie sowie den Nachweis der Familien- und Staatsangehörigkeitsverhältnisse; das Gouvernement erteilt dann Gemeinde- und Kantonsbürgerrecht zusammen, gestützt auf die Zusage der Gemeinde. Das Dekret vom 6. Dezember 1978 legt fest, wer was tut. Seit dem 1. Januar 2018 kommen die Integrationsvoraussetzungen aus dem Bundesrecht, das der Kanton damals als strenger als zuvor ankündigte: C-Bewilligung, zehn Jahre Aufenthalt, erfolgreiche Integration und erstmals auch schriftliche Sprachkenntnisse.
Wie der Kanton deine Vertrautheit mit dem Leben in der Schweiz und im Jura prüft, steht auf der Seite des Service de la population, des SPOP: Im Einbürgerungsverfahren nimmst du an einem Gespräch teil, in dem du einen Fragebogen zu deinen Kenntnissen der Schweiz und des Jura beantwortest. Der Fragebogen umfasst vier Themen, Geografie, Geschichte, Staatskunde und Allgemeinwissen. Das ist die ganze publizierte Beschreibung. Der Kanton nennt keine Fragenzahl, keine Dauer und keine Bestehensgrenze, und er stellt keinen Fragenkatalog online. Begegne jedem Ratgeber, der für den Jura solche Zahlen nennt, mit Misstrauen.
Das Gespräch findet vor der Gemeindeabstimmung statt, nicht danach. Im Conseil général von Haute-Sorne legte der Maire am 22. April 2024 drei Einbürgerungsgesuche vor und sagte zu jedem, nach der Anhörung durch den SPOP sei alles beisammen, um das Gemeinde- und Kantonsbürgerrecht zu erteilen; der Rat hiess alle drei per Akklamation gut. Unsere Jura-Fragen üben den kantonalen Teil der vier Themen, den Teil, den keine Bundesbroschüre abdeckt.
Voraussetzungen: zehn Jahre Schweiz, die letzten zwei in derselben Gemeinde, Französisch B1 und A2
Die Aufenthaltsregel ist Bundesrecht mit einer jurassischen Besonderheit. Du brauchst zehn Jahre in der Schweiz, davon drei in den fünf Jahren vor dem Gesuch; die Jahre zwischen dem achten und dem achtzehnten Geburtstag zählen doppelt, tatsächlich gelebt haben musst du hier aber mindestens sechs. Die Besonderheit steht in Artikel 3 des Gesetzes von 1978: Die Zusage des Gemeindebürgerrechts wird bei der Gemeinde beantragt, in der du unmittelbar vor dem Gesuch zwei Jahre Wohnsitz nachweisen kannst. Der SPOP sagt es in einer Zeile: zehn Jahre in der Schweiz, davon die letzten zwei in derselben Gemeinde. Wer ein Jahr vor der Einreichung von Delémont nach Porrentruy zieht, dessen Zweijahresuhr beginnt neu, es sei denn, das Gouvernement bewilligt eine Ausnahme aus wichtigen Gründen, was das Dekret in den Artikeln 4 und 13 zulässt. Haute-Sorne zeigte 2024, wie flexibel die Praxis sein kann: Ein Gesuchsteller war während des Verfahrens nach Delémont gezogen und bat die Gemeinde, trotzdem weiterzumachen, und sie tat es. Ausserdem brauchst du eine C-Bewilligung, und Minderjährige über 16 müssen ihren Willen, Schweizer zu werden, selbst schriftlich erklären.
Die Sprache ist Französisch, B1 mündlich und A2 schriftlich, genau das Bundesminimum aus Artikel 6 der Bürgerrechtsverordnung. Du belegst es bei der Einreichung mit einem Zertifikat aus der fide-Liste der anerkannten Sprachnachweise oder mit dem fide-Sprachenpass. Befreit bist du, wenn eine Landessprache deine Muttersprache ist, wenn du mindestens fünf Jahre obligatorische Schule in einer Landessprache besucht oder eine Ausbildung der Sekundarstufe II oder Tertiärstufe in einer Landessprache abgeschlossen hast. Die Sprachseite des Kantons nennt AvenirFormation in Delémont als akkreditiertes fide-Zentrum für die Sprachevaluation und gibt die Empfehlung des SEM weiter, sie abzulegen, weil ihre Aufgaben den schweizerischen Alltag abbilden.
Der SPOP benennt auch die Integrationsbedingungen und ordnet jeder ein Dokument zu. Beachtung der Rechtsordnung: das certificat de bonnes mœurs deiner Gemeinde. Finanzielle Unabhängigkeit: keine Sozialhilfeabhängigkeit und keine Sozialhilfeschuld in den letzten drei Jahren, ausser sie ist vollständig zurückbezahlt, bezahlte Steuern, keine Betreibungen und keine Verlustscheine, belegt mit den Bescheinigungen der Recette de district, des Office des poursuites et faillites und der Sozialhilfe. Berufliche Integration: eine Arbeitgeberbescheinigung. Dazu eine Passkopie, eine attestation de domicile und der Sprachnachweis, und das Dossier ist vollständig.
Testen Sie Ihr Wissen
5 kostenlose Fragen probierenVorbereitung auf den Fragebogen: der Kurs von AvenirFormation, die Lektüre des Kantons und unsere Fragen
Der Jura ist einer der wenigen Kantone, die selbst einen Vorbereitungskurs bestellt haben. Die SPOP-Seite Devenir suisse sagt, dass AvenirFormation, die Weiterbildungsabteilung der kantonalen Berufsschulen, im Auftrag des Dienstes einen Kurs zur Vorbereitung auf das Einbürgerungsgespräch durchführt. Das Kursblatt S25, Préparation à la naturalisation, beschreibt 18 Lektionen in sechs Wochen, Montag- oder Mittwochabend von 18.30 bis 21.00 Uhr an der École professionnelle in Delémont, für CHF 250 inklusive Unterlagen. Die Kursziele lesen sich wie ein Inhaltsverzeichnis des Gesprächs: die politischen Institutionen der Schweiz und des Jura, Staat und Verfassung, Demokratie und politische Rechte, Föderalismus und Parteien, das Funktionieren der Politik über drei Gewalten und drei Ebenen, Abstimmungen und Wahlen, Geschichte, Geografie und Wirtschaft sowie die wichtigsten Elemente der jurassischen und schweizerischen Kultur. Die drei Blöcke sind Geografie, Geschichte und markante Ereignisse; Demokratie, Föderalismus und Bürgerrecht; Sozialversicherungen, Gesundheitssystem, Arbeit und Bildung. Jeder Block schliesst mit einem Selbsttest. Voraussetzungen sind Französisch A2 schriftlich und B1 mündlich und die formellen Einbürgerungsvoraussetzungen; die Daten stehen auf dem Anmeldeformular und auf avenirformation.ch.
Die eigene Leseliste des Kantons ist kurz. Die Seite Naturalisation ordinaire verlinkt die Broschüre der Bundeskanzlei La Confédération en bref, die die Bundeshälfte des Fragebogens abdeckt, und die kantonale Seite zur jurassischen Geschichte, die die Geschichte von den Fürstbischöfen von Basel bis 1979 erzählt. Beides ist gratis, und beides liest du besser vor dem Kurs als danach.
Was beiden fehlt, ist eine Möglichkeit, dich im jurassischen Teil zu testen: Daten, Institutionen, Bezirke und Zahlen. Dafür sind unsere 49 Jura-Fragen da. Sie folgen den vier Themen des Fragebogens und verwenden die Formulierungen der Verfassung und der kantonalen Seite mit den Dates-clés, damit ein Name oder eine Zahl, die im Gespräch fällt, dir schon begegnet ist. Für die Bundeshälfte decken die Lektionen zu Politik, Geschichte und Geografie der Schweiz den Stoff von La Confédération en bref ab.
Überall üben
iOS App herunterladenGebühren: CHF 200 pro Person unter 25, CHF 500 bis 1000 pro Dossier, was Porrentruy und der Bund verlangen
Der Jura publiziert seine Gebühren, und sie gehören zu den tiefsten der Schweiz. Die SPOP-Seite Naturalisation ordinaire nennt für Ausländerinnen und Ausländer zwei Beträge: CHF 200 pro Person, wenn du unter 25 bist, und CHF 500 bis 1000 pro Dossier ab 25. Ein Paar mit gemeinsamem Gesuch zahlt also eine Dossiergebühr, nicht zwei. Die Beträge sind alt: Artikel 15 des Dekrets von 1978 setzt genau dieselben Zahlen, 200 für Gesuchstellende unter 25 und 500 bis 1000 pro Dossier darüber, als Rahmen des kommunalen émolument de naturalisation, und Artikel 5 des Gesetzes erlaubt jeder Gemeinde, ihre Gebühr von Fall zu Fall nach der wirtschaftlichen Lage abzustufen. Die kantonale Gebühr steht in Artikel 6 des Dekrets über die Gebühren der Kantonsverwaltung (DEmol, RSJU 176.21), auf das Artikel 24 des Einbürgerungsdekrets verweist: CHF 200 pro Person unter 25 Jahren, CHF 500 bis 1000 pro Dossier ab 25 Jahren und CHF 100 pro Person für Schweizerinnen und Schweizer, genau die Beträge der SPOP-Seite; die Gemeindegebühr kommt obendrauf.
Die Gemeindetarife sind ungleich publiziert. Das Reglement von Porrentruy über die Einbürgerungsgebühren vom 1. Oktober 1992 steht online und verlangt CHF 100 bei einem steuerbaren Einkommen bis 60'000 Franken und CHF 200 darüber, CHF 50 für Minderjährige, Studierende und Lehrlinge und die Hälfte davon für Schweizerinnen und Schweizer, die das Gemeindebürgerrecht beantragen. Delémont und Haute-Sorne nennen den Betrag auf Anfrage. Der Bund verlangt CHF 100 pro volljährige Person, CHF 150 für Ehegatten mit gemeinsamem Gesuch und CHF 50 für Minderjährige, die allein ein Gesuch stellen.
Zwei Kosten stehen ausserhalb der Tarife: der Kurs von AvenirFormation für CHF 250 und das Sprachzertifikat, falls du nicht befreit bist, zum Preis des Anbieters. Und ein Punkt zum Zeitpunkt: Die Gebühr wird nicht bei der Einreichung bezahlt. Artikel 23 des Dekrets sagt, dass dir der Entscheid des Gouvernement zusammen mit der Einladung eröffnet wird, die taxe de naturalisation zu bezahlen und das feierliche Versprechen abzugeben, und dass der arrêté de naturalisation erst ausgestellt wird, wenn beides erledigt ist. Alle Zahlen Stand 6. September 2026.
Vermeiden Sie teure Wiederholungen
Preise anzeigenKantonswissen für den Fragebogen: 23. Juni 1974, 1. Januar 1979, sechzig Abgeordnete, vier Bezirke
Die Geschichte ist das Jura-Thema mit den meisten Daten, und die Seite des Kantons mit den Dates-clés liefert sie. Der Jura gehörte bis zur Französischen Revolution den Fürstbischöfen von Basel, die in Porrentruy residierten; der Wiener Kongress gab ihn 1815 an Bern. Am 23. Juni 1974 stimmte die Bevölkerung der sieben jurassischen Bezirke für einen eigenen Kanton, 36'802 Ja gegen 34'057 Nein; in den Unterplebisziten von 1975 blieben die südlichen Bezirke Courtelary, Moutier und La Neuveville sowie das Laufental bei Bern. Die Verfassunggebende Versammlung verabschiedete die Verfassung am 20. März 1977, Volk und Stände nahmen den neuen Kanton am 24. September 1978 an, und die République et Canton du Jura wurde am 1. Januar 1979 souverän. Vellerat wechselte 1996 von Bern zum Jura. Am 24. November 2013 lehnte der Berner Jura ein gemeinsames Verfahren ab, und die Stadt Moutier trat nach ihren eigenen Abstimmungen am 1. Januar 2026 dem Kanton bei; die Verfassung nennt Moutier seit dem 1. August 2025 als vierten Bezirk.
Die Staatskundefragen drehen sich um die Institutionen. Das Parlement hat sechzig Abgeordnete (Artikel 85) und das Gouvernement fünf Mitglieder (Artikel 93); beide haben ihren Sitz in Delémont, die kantonalen Gerichte in Porrentruy (Artikel 69). Die vier Bezirke sind Delémont, Franches-Montagnes, Porrentruy und Moutier (Artikel 109). Ein fakultatives Referendum braucht 2'000 Stimmberechtigte oder fünf Gemeinden (Artikel 78). Das Gemeindebürgerrecht begründet das Kantonsbürgerrecht (Artikel 16), weshalb deine Gemeinde zuerst abstimmt.
Geografie und Allgemeinwissen stützen sich auf die Statistik. Das kantonale Statistikamt zählte am 31. Dezember 2025 75'178 ständige Einwohnerinnen und Einwohner. Das Mémento statistique 2025 nennt 839 Quadratkilometer und 50 Gemeinden am 1. Januar 2025, und seit dem Beitritt von Moutier zählt das Kantonsporträt 858 Quadratkilometer und 51 Gemeinden, wie das Bundesregister. Die Franches-Montagnes sind die Heimat des Freibergers, der einzigen Schweizer Pferderasse, und die Uhrenorte der Ajoie und des Delsberger Tals liefern die Wirtschaftsfragen. Wenn eine Zahl in unseren Fragen von einer abweicht, die du anderswo liest, prüfe das Datum: Fläche, Bevölkerung und Gemeindezahl des Kantons haben sich 2026 alle verändert.
Nach dem Gespräch: die Zusage der Gemeinde, das SEM, das Gouvernement und das feierliche Versprechen
Das Dekret von 1978 gibt dem Verfahren seine Form. Du beziehst die Formulare beim SPOP und reichst dort ein, Rue du 24-Septembre 1 in Delémont. Der Dienst prüft das Dossier, ordnet die nötigen Erhebungen an, für die ihm alle kantonalen und kommunalen Behörden gratis Auskunft geben müssen, und führt das Gespräch. Dann eröffnet er dir und deiner Gemeinde einen Vorentscheid; ihr beide könnt ihn beim Gouvernement anfechten (Artikel 21).
Dann kommt die Gemeinde. Nach Artikel 8 prüft der Gemeinderat, ob die gesetzlichen und reglementarischen Voraussetzungen erfüllt sind, und legt das Gesuch dem zuständigen Organ erst dann vor. Dieses Organ ist grundsätzlich die Gemeindeversammlung, die mit Mehrheit entscheidet, doch das Gemeindereglement kann die Zuständigkeit einem Conseil général übertragen (Gesetz Artikel 4, Dekret Artikel 9). Die Regeln von Delémont weisen Aufnahme und Zusage dem Conseil de Ville zu; in Haute-Sorne stimmt der Conseil général ab, und im April 2024 hiess er drei Gesuche per Akklamation gut. Ein positiver Beschluss ergibt einen acte de promesse d'admission mit den Unterschriften von Präsidium und Sekretariat der Versammlung (Artikel 11), und die Gemeinde stellt ihre Gebühr in Rechnung.
Mit der Zusage in der Hand ersucht der Kanton das Staatssekretariat für Migration um die eidgenössische Einbürgerungsbewilligung, die jedem kantonalen Entscheid vorausgehen muss. Dann entscheidet das Gouvernement auf Bericht und Antrag des SPOP und erteilt Gemeinde- und Kantonsbürgerrecht in einem Akt (Gesetz Artikel 6, Dekret Artikel 22); minderjährige Kinder sind eingeschlossen, wenn der Entscheid nichts anderes sagt. Der Entscheid wird dir zusammen mit der Einladung eröffnet, die Gebühr zu bezahlen und vor einer Delegation des Gouvernement zum feierlichen Versprechen zu erscheinen. Sein Wortlaut steht in Artikel 23a des Dekrets: Du versprichst, der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der République et Canton du Jura loyal zu sein, ihre Verfassungen und Gesetze zu achten und bei jeder Gelegenheit die Rechte und Freiheiten des Volkes und der Bürgerinnen und Bürger zu verteidigen. Erst nach Zahlung und Versprechen wird der arrêté de naturalisation ausgestellt. Die Schweiz erlaubt die doppelte Staatsangehörigkeit, wie der SPOP auf seiner Seite Devenir suisse festhält; ob dein Herkunftsland sie erlaubt, ist eine Frage an dessen Botschaft. Der Kanton publiziert keine Gesamtdauer, plane also nach dem Rhythmus der Versammlungen deiner Gemeinde und der Sitzungen des Gouvernement statt nach einer versprochenen Zahl von Monaten.
