Die Grundlage ist Artikel 3 des Gesetzes über das Landrecht und das Gemeindebürgerrecht: Landrecht und Gemeindebürgerrecht erhalten nur Personen, die «mit den schweizerischen, kantonalen und örtlichen Lebensgewohnheiten vertraut sind», die Rechtsordnung beachten und genügende Sprachkenntnisse besitzen, dazu Artikel 11 des Bundesgesetzes mit der Vertrautheit mit den schweizerischen Lebensverhältnissen. Anders als in den meisten Kantonen prüft das nicht die Gemeinde in einem Gespräch, sondern der Kanton selbst in einem Staatskundetest, und zwar bevor du überhaupt ein Gesuch stellen darfst. Die Abteilung Bürgerrecht und Zivilstand schreibt: «Ein Gesuch um ordentliche Einbürgerung kann nach erfolgreichem Abschluss des Staatskundetests eingereicht werden.» Der Weg dorthin ist zweistufig: Zuerst meldest du dich online zum Erstgespräch an und bestätigst dabei die acht Grundvoraussetzungen (10 Jahre Schweiz, 3 Jahre in derselben Gemeinde, C-Bewilligung, keine offenen Steuern, keine Strafverfahren, keine Betreibungen, 5 Jahre ohne Sozialhilfe, Deutsch B1); im Erstgespräch informiert dich die Abteilung über das Verfahren und gibt dir die Gesuchsunterlagen ab. Erst danach kannst du dich zum Test anmelden.
Der Test findet an festen Terminen in Trogen statt, aktuell am 21. September, 26. Oktober und 30. November 2026, jeweils um 9 Uhr. Im Anmeldeformular wählst du zwischen Erstprüfung und Wiederholungsprüfung, gibst zwei Wunschtermine an und kannst bis zu fünf weitere Prüfungsteilnehmende, etwa Familienmitglieder, mitanmelden. Was der Kanton nicht publiziert: die Anzahl Fragen, die Form (schriftlich oder mündlich), die Bestehensgrenze, die Dauer und eine allfällige Gebühr; das Merkblatt von 2018 nennt den Test nur als zweiten von sieben Verfahrensschritten. Publiziert sind dagegen die Hilfsmittel, die die Abteilung zur Vorbereitung empfiehlt: die App VoteInfo mit den Abstimmungsvorlagen von Bund und Kantonen, die Plattform CH Info zur schweizerischen Politik und die Informationsreihe ECHO des HEKS über das Leben in der Schweiz. Wer den Test nicht besteht, kann sich zur Wiederholungsprüfung anmelden; eine Wartefrist nennt der Kanton nicht.
Mit dem Test allein ist die Vertrautheit nicht abgehakt. Nach der Gesuchseinreichung prüft der Kanton, ob das Gesuch vollständig ist und die kantonalen Voraussetzungen erfüllt sind, und leitet es an die Wohngemeinde weiter. Dort entscheidet der Gemeinderat oder eine von der Gemeindeordnung bestimmte Kommission über das Gemeindebürgerrecht; in Herisau ist das die Bürgerrechtskommission an der Poststrasse 6, deren Präsident auch Auskunft gibt, während Teufen, Speicher und Gais auf ihren Seiten für die Vorprüfung direkt an die kantonale Abteilung verweisen. Wie die Gemeinden ihre Prüfung gestalten, ob mit Gespräch oder nur nach Akten, publizieren die vier Gemeinden nicht. Die Sprache musst du nicht mehr beweisen: Das B1-Zertifikat von telc, Goethe oder fide liegt schon vor dem Erstgespräch vor, ausser du bist deutscher Muttersprache oder hast fünf Jahre obligatorische Schule oder eine Berufsausbildung in der Schweiz absolviert.
Unsere 35 Fragen zum Kanton Appenzell Ausserrhoden decken den kantonalen Teil dessen ab, was «Staatskunde» in Ausserrhoden bedeutet: die Landteilung von 1597 und die reformierte Tradition, den Kantonsrat mit 65 Mitgliedern und mindestens einem Sitz pro Gemeinde, den Regierungsrat mit fünf vollamtlichen Mitgliedern unter dem Landammann, die Abschaffung der Landsgemeinde 1997, das Frauenstimmrecht von 1989, das Regierungsgebäude in Herisau und den Landsgemeindeplatz in Trogen, die 20 Gemeinden in Hinterland, Mittelland und Vorderland, die Textil- und Stickereigeschichte, Säntis und Bodensee. Ergänze sie mit den Lektionen zu Politik, Geschichte und Geografie der Schweiz für den Bundesteil und mit den Vorbereitungshilfen, die der Kanton nennt. Die totalrevidierte Kantonsverfassung, die das Volk am 30. November 2025 angenommen hat und die nach der Gewährleistung durch die Bundesversammlung am 1. Januar 2027 in Kraft tritt, behält beide Zahlen bei: 65 Mitglieder des Kantonsrats (Art. 89) und fünf vollamtliche Mitglieder des Regierungsrats (Art. 102).